Honda Civic Hybrid - Hondas Prius?
von: Alternative Motion / jh
Honda Civic Hybrid - Hondas Saubermann
Sein Design ist sportlich, sein Konzept ökologisch. Der Honda Civic Hybrid verliert beim Bremsen keine Energie, sondern nimmt sie auf. Und sein Benziner, der wird ausgerechnet von seinem größten natürlichen Feind unterstützt - einem Elektromotor. Zuerst denke ich, das muss doch alles ein großer Widerspruch sein. Ein Irrtum oder so. Da kann irgendwas nicht stimmen. Aber je länger ich ganz zivil im Civic unterwegs bin, desto mehr komme ich auf den Geschmack.
Honda scheint jede Menge Spaß am Mixen zu haben. Warum beliefern die keine Eiscafés mit ausgefallenen Milchshakes, das müsste genau ihr Ding sein. Das eigentlich biedere, bei den Amerikanern so beliebte Stufenheck ziert am Civic Hybrid eine dicke Spoilerlippe. Gepaart mit dem so gar nicht versteckten, verchromtem Auspuffrohr bringt mich das erstmal zum Grübeln. Sollte ich nicht einen Hybriden testen? Ein Auto, gebaut für den Umweltschutz und bekleidet mit einem blechernen Parka? Tja, manchmal lässt man sich wohl von einem dicken, fetten Klischee blenden. Es tut mir leid. Klischees zu erfüllen, das scheint nicht die Intention dieser Limousine zu sein.
Das ist kein langweiliger, grüner und sparsamer Blick, den mir der Civic zuwirft. Und das macht ihn für mich vor allem eines - sympathisch. Ein Freund, ein guter Freund, das ist das beste was es gibt auf der Straße. Große, saubere Versprechen unter schönen und modernen Öko-Labels überlässt der Civic anderen. Wäre da nicht das Hybrid-Schildchen auf der Heckklappe, unter der Motorhaube des Honda hätte ich die Technik sicher nicht gesucht.
hl]Innenraum / Ausstattung[/hl] Der Honda Civic Hybrid überrascht mich auch im Innenraum. Eine abgespeckte Ausstattung, ein tristes Armaturenbrett oder spartanische Verkleidungen kann ich da lange suchen. Ich finde nichts, einfach nichts. Ein geringerer Verbrauch auf Kosten von Komforteinbußen: Nein, auch das nicht. Ganz im Gegenteil.
Der Honda ist ausgestattet wie wohl kein einziges europäisches Auto seiner Klasse. Sitzheizungen für die vorderen Sitze, eine bequeme Mittelarmlehne, ein Tempomat und ein Multifunktions-Lenkrad - all das und vieles mehr findet sich ganz selbstverständlich serienmäßig in jedem Civic Hybrid. Diese Ausstattung als fair zu bezeichnen, ist doch glatt untertrieben.
Cockpit Ich hätte da ein besseres Wort im Angebot: Diese Ausstattung ist futuristisch. Hinter dem sportlichen, gut verarbeiteten und griffigen Lenkrad, das von mir spontan die Note Eins bekommt, macht sich ein blau beleuchteter Drehzahlmesser breit. Links von ihm finden sich zwei Balken, die jedem Otto-Normal-Autofahrer auf den ersten Blick wohl gar nichts sagen. Eingewöhnungszeit braucht man trotzdem nicht, um alles zu verstehen. Es ist selbsterklärend. Und eigentlich genau wie bei meinem Handy.
Der linke Balken zeigt jederzeit den Ladezustand der Nickel-Metallhydrid-Batterie an. Ist der Balken ganz oben, so ist die Batterie voll geladen. Je weiter er unten ist, desto mehr Strom wurde ihr entzogen. Ganz leer ist die Batterie aber so gut wie nie. Und so bleibt einem auch das nervenraubende Akku-leer-Gepipse, was wohl jedes Handy von sich gibt, erspart - wunderbar, denn davon bekomme ich immer Kopfweh.
Nicht nur deswegen hat der Honda meinem Handy etwas voraus. Auf die Idee, den Akku selbst aufzuladen, kommt das blöde Handy nicht. Der Honda schon - und das kann ich sogar bequem vom Fahrersitz aus beobachten. Sobald sich der rechte Balken nach oben bewegt, unterstützt die Batterie den Benzinmotor und setzt Strom frei. Beim Bremsen kehrt sich das ganze System um und der Balken stürzt nach unten.
Platzverhältnisse / Kofferraumvolumen Zu Gunsten eines niedrigeren Schwerpunkts ist die Batterie im Unterboden des Civic Hybrid verbaut. Das ist der Grund dafür, warum die Fahrweise gut und vor allem sicher ist - nimmt aber gleichzeitig viel Platz weg. Trotzdem: Die 350 Liter Kofferraumvolumen sind für jeden Großeinkauf genug und schrecken nur vor Ikea-Regalen zurück.
Motor / Getriebe Im Honda Civic Hybrid regiert reine Unkompliziertheit. Das stufenlose Automatikgetriebe schont die Muskulatur meines linken Fußes und hält nebenbei den 1,3 Liter Motor immer in niedrigen Drehlzahlbereichen. Naja, zumindest fast immer.
Tritt man das Gaspedal im Civic Hybrid bei voller Beschleunigung durch, so wird das kleine Vierzylinder-Aggregat unangenehm laut. Das stufenlose Automatikgetriebe setzt sich in Gang, auf bis zu 6.000 Umdrehungen pro Minute - und hält dieses Drehzahlniveau konstant. Der Benzinmotor erschöpft jegliche Leistungsreserven und zieht den Civic Hybrid in 12,1 Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde - natürlich mit freundlicher Unterstützung des 20 PS starken Elektro-Motors.
Mit den 95 PS des Verbrennungsmotors zusammengefasst, leistet der Civic Hybrid so genau 115 PS. Bis zu 185 Kilometer pro Stunde sind laut Honda auf der Autobahn möglich, wirklich sinnvoll ist die Hybrid-Technik dann aber nicht mehr. Die Vorzüge des Elektro-Motors kommen hauptsächlich bei Beschleunigungs- bzw. Abbremsphasen zur Geltung.
Hybrid-Technik Man kann es zwar weder spüren noch hören, aber dennoch unterstützt der Elektromotor seinen Verbrennungsbruder in Beschleunigungsphasen. Eigentlich fast genauso, wie mich mein Bruder immer unterstützt hat, vor vielen Jahren auf der Spielplatz-Schaukel. Einziger Unterschied: Der Elektro-Motor übertreibt es nicht mit der Unterstützung. Und er ignoriert auch nicht die Jetzt-Aber-Genug-Schreie seines Bruders.
Und ganz allein wieder runterkommen von diesem Höllentrip muss der Benziner im Honda Civic Hybrid auch nicht. Wieder kommt das Bruderherz und nimmt die Energie dankend auf. Die Nickel-Metallhydrid-Batterien werden also geladen und die Energie gespeichert statt einfach zu verpuffen. Ein tolles Verhältnis, das die beiden da haben.
Ganz nebenbei werden sogar die Bremsen geschont - bei leichtem Druck auf das Bremspedal erhöht Honda die Motorbremse im Civic Hybrid einfach und schafft so zwei Vorteile auf einen Schlag: Der Verschleiß wird vermindert und der Verbrauch reduziert. Ebenso easy wie genial.
Genau das gilt 1:1 auch für die nächste technische Innovation im Civic Hybrid. Nicht immer fährt der Vierzylinder tatsächlich auch mit vier Zylindern. Warum alle vier Töpfe mit Kraftstoff füllen, wenn die Leistung gar nicht benötigt wird? Das wäre schlicht sinnlos. Und so schaltet Honda je nach Fahrsituation mal zwei der vier Zylinder ab. Im Leerlauf dürfen sie weiter hoch- und runterschießen, aber die Ventile denken gar nicht daran, teuren Sprit einzuspritzen.
Eigentlich könnte ich jetzt ein Buch über Spritspar-Tricks schreiben.Momentan wird BMW ja als Vorreiter der Start-Stopp-Automatik angepriesen, mittlerweile ist in nahezu allen Modellen diese Technik serienmäßig. Schön und gut, nur Honda wird darüber wohl nur lachen können. Der Civic Hybrid ist mit dieser Technik seit eh und je ausgestattet. Ganz einfach, weil sich damit bei jedem Ampelstopp Benzin sparen lässt. Schon beim Anrollen auf eine Ampel schaltet sich der 1,3 Liter Vierzylinder aus und startet erst wieder, wenn der Fahrer die Bremse löst.
Schon nach den ersten Metern im Hybriden kommt so ganz schnell die Frage auf, warum eigentlich nicht alle Autos damit ausgestattet sind. Es liegt doch auf der Hand, dass der Motor bei stehendem Fahrzeug nicht laufen und somit Sprit verbrennen muss. Über die Abgaswolken der nebenstehenden Autos kann ich nach drei, vier Rotphasen nur noch souverän grinsen. Wenn ihr alle an der Tankstelle unbedingt mehr bezahlen möchtet, bitte, dann macht doch. Ich werfe von mir aus sogar was in den Klingelbeutel, wenn einer rumgeht.
Und dabei sitze ich seelenruhig in meinem Honda und lausche dem Meer. Naja, zugegeben, es ist vielmehr der laute, unruhige Stadtverkehr. Aber mit starrem Blick auf den ruhigen Drehzahlmesser und dem aufblinkenden Auto-Stopp-Schildchen kann sich selbst dieser idyllisch anhören. Eine tolle Sache für harmoniesüchtige Menschen.
Verbrauch An der Tankstelle kann der Civic Hybrid sein Spritversprechen aber doch nicht ganz halten. 4,6 Liter auf 100 Kilometer gibt Honda an, im Test waren es durchschnittlich knapp 1,5 Liter mehr. Wer es im Civic Hybrid langsam angehen lässt, für den dürften 5,5, wenn nicht gar fünf Liter durchaus erreichbar sein. Schlussendlich macht sich die Hybridtechnik also durchaus bemerkbar und hilft deutlich bei der Kraftstoffeinsparung. Ein gutes Gefühl.
Fazit Der Honda Civic Hybrid ist ein zuverlässiger Begleiter in die neue Auto-Zeit der umweltfreundlichen und spritsparenden Fahrzeuge. Trotz seiner komplizierten Hybridtechnik ist er in der Anschaffung nicht teurer als ein vergleichbares Auto seiner Klasse ohne Spritspar-Tricks. Er ist der günstigste Hybrid auf dem deutschen Markt, glänzt aber dennoch mit einer umfangreichen Serienausstattung und einer sehr guten Verarbeitung. Einziges Manko der modernen Technik ist das eingeschränkte Kofferraumvolumen aufgrund der Metallhydrid-Batterien im Unterboden des Civic Hybrid. In unserem Test verbraucht der Honda knapp sechs Liter auf 100 Kilometer und ist eine Kaufempfehlung wert.
- umfangreiche Spritspartechniken
- geringer Verbrauch
- sehr ordentliche Serienausstattung
- gute Verarbeitungsqualität
Negativ:
- unter Volllast lautes Motorengeräusch
- Rücksitzbank nicht umklappbar