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Lexus LS 600 h: Muda und Rohi

von: Alternative Motion / gg
Zwei Stattliche Erscheinungen: Lexus LS 600 h und das Leipziger Völkerschlachtdenkmal.

Lexus LS 600 h - Muda und Rohi Ein wesentlicher Vertreter der hybriden Luxusklasse ist neben BMW und Mercedes der modellgepflegte Lexus LS 600 h. Die Geschichte des Vorzeige-Japaners beginnt im Jahr 1983. Muda und Rohi, die japanischen Begriffe für Verschwendung und Nützlichkeit tauchen in der japanischen Entwicklungsphilosophie von Lexus häufiger auf. Manchmal ist ein Rückschritt auch ein Fortschritt. Getreu diesem Motto reisen wir zurück in das Jahr 1983.

Eji Toyoda erklärt im Spätsommer im Kreise seiner engsten Mitarbeiter, dass Toyota zukünftig ein Auto bauen soll, das sich mit den besten Luxuslimousinen der Welt messen kann. Eine besondere Tugend der Japaner ist deren Fleiß. Gut zwei Jahre später existiert der erste fahrfähige Prototyp. Mit einem bis dato ungekannten Entwicklungsaufwand betreibt Toyota zum Teil auch auf Deutschlands Autobahnen Hochgeschwindigkeitstests. Im Rahmen der für die Japaner ungemein wichtigen L.A. Motorshow im Jahre 1988 feiert die neue Tochtermarke Lexus am 2. Januar ihr Debüt. Der Verkaufsstart des Ur-LS beginnt im September des darauffolgenden Jahres mit einem unschlagbaren Preismodell.



Der neu überarbeitet LS 600 h möchte seine hybriden Gene zur Schau stellen. Denn der erste LS 400 kostete zu jener Zeit etwa die Hälfte eines BMW 750i – nämlich knapp 35.000 Dollar. Diverse Weltneuheiten im neuen Lexus verhalfen dem Lexus LS 400 im stark umkämpften US-Markt schnell zu Ruhm. Ein kleines Schwestermodell kam auf Basis des Toyota Camry als Lexus ES 250. Am Anfang dieser beispiellosen Erfolgsgeschichte stand eine Rückrufaktion von etwa 8000 ausgelieferten LS 400. Der entschlossene Umgang mit dieser schwierigen Situation brachte Lexus am Ende sogar Pluspunkte: über Nacht wurden Mechaniker ausgesandt, um die Fahrzeuge in die Werkstätten zu holen und zu korrigieren, das brachte den Japanern einen guten Ruf in Sachen Kundenzufriedenheit. Denn die Wagen wurden pünktlich mit einer kleinen Überraschung am nächsten Morgen bei den Besitzern abgegeben.



Drehen wir die Zeituhr wieder um etwa 20 Jahre nach vorne, ins Jahr 2010. Die guten Kundenzufriedenheitszahlen sind immer noch aktuell bzw. haben sich zudem noch verbessert. Lexus steht seit Jahren für nahezu perfekten Service und führt regelmäßig die J.D. Power – Kundenzufriedenheitsliste an. Eji Toyoda ist stolz auf sein nobles Tochterunternehmen und trat erst im Alter von 81 vom Vorsitz des Unternehmens zurück. Lexus ist zu einer festen Größe im Markt der Luxuslimousinen geworden. Denn auch heute im Jahr 2011 braucht der neu überarbeitete Lexus LS 600 h, das Flaggschiff des Konzerns, den Vergleich zu den deutschen Platzhirschen wie S-Klasse, BMW 7er und Audi A 8 nicht zu fürchten. Ganz im Gegenteil, viele Neuerungen und technische Lösungen sind schon Jahre früher zum Einsatz gekommen als bei der Konkurrenz aus Deutschland. Lexus ist im Allgemeinen ein relativ seltenes Auto auf deutschen Straßen, da bei uns der Japaner in diesem Preissegement noch mit den drei großen deutschen Herstellern zu kämpfen hat.



Der neu überarbeitet Kühlergrill wirkt sehr modern und verleiht dem LS ein deutliches Plus an Überholprestige. Design & Karosserie Der nunmehr in seiner dritten Modellgeneration gebaute LS glänzt nach dem Facelift mit einem komplett überarbeiteten Kühlergrill, der jetzt noch kraftvoller und moderner wirkt, als der des Vorgängers. Die neuartigen LED-Scheinwerfer sind beim neuen Hybrid-Modell bläulich hinterlegt und erhielten zusätzliche LED-Elemente. Auffällig außerdem: Die neu gestalteten Rückspiegel, die den Abmaßen des Fahrzeuges entsprechend groß ausfallen. Auch diese sind mit LED-Blinkern und Vorfeld-Beleuchtung im LED-Design ausgestattet. Auch die neuen Rückleuchten sind beim Hybrid-Modell blau akzentuiert worden, um den Wiedererkennungswert des Hybridmodells nochmals zu steigern. Aerodynamisch optimierte Stoßfänger tragen zur weiteren „Auffrischung“ des Lexus-Spitzenmodells bei.

Insgesamt ist der LS 600 h eine imposante Erscheinung, serienmäßige 19 Zoll-Räder und herausragende Wangen verleihen dem Japaner ein immenses Überholprestige. Die sehr lange Motorhaube verrät die große, und dennoch effiziente und hybride Motorisierung. Für den Laien jedoch ist der LS allerdings kaum ein Highlight, was nicht heißen soll, dass der Lexus keine Designexperimente wagt. Vielmehr wurde behutsam Gutes gepflegt, erhalten und verbessert.

Insgesamt stand die Modellpflege im Vordergrund, um den LS 460 weiter von den LS 600 h Modellen abzugrenzen. Denn in Sachen Prestige hat der große sanfte Japaner zumindest in Deutschland noch Verbesserungspotential. Ähnlich wie bei der Computertechnologie werden auch in der Hybridtechnik die verbauten Komponenten immer kleiner. Das kommt dem LS besonders zu Gute, da ein wesentlicher Kritikpunkt am LS, nämlich sein viel zu kleiner Kofferraum, nun zumindest besser und effizienter nutzbar wird. Die Hybridbatterie ist auf zwei Teile aufgeteilt worden und ermöglicht so die Zunahme des Kofferraumvolumens auf immerhin 420 Liter. Durch die Entnahme des Kofferraumbodens lässt sich das Volumen um weitere 60 Liter vergrößern. Der Kofferraum ist immer noch nicht standesgemäß, aber einen eingefleischten LS-Enthusiasten wird auch das nicht davon abhalten, trotzdem eines der am weitesten entwickelten Hybrid-Modelle zu fahren.



Viele Knöpfe, viele Schalter aber insgesamt logisches Bedienkonzept im Cockpit des LS. Innenraum und Ausstattung Die „Ambience Line“ – Ausstattung, die zur Modellpflege nochmals erweitert wurde, entspricht im Wesentlichen dem vollen Ausstattungsumfang und ist auch in der Version mit langem Radstand enthalten. Sie bietet den Insassen besonders im Fond, da sich der LS als klassische Chauffeurs - Limousine versteht, mehr Beinfreiheit, einen ausklappbaren Monitor im Dachhimmel, mehrteilige „Butterfly“- Kopfstützen sowie eine um 80 mm in Längsrichtung einstellbare Mittelarmlehne. Außerdem sorgen eine Fülle an Einstellmöglichkeiten, wie Massage- und Belüftung für entspanntes Reisen im Fond.

Auch für den Blick des Fahrers ergeben sich einige dezente Neuerungen im Instrumententräger samt Mittelkonsole. Die nochmals verfeinerten Materialien vermitteln einen hohen Qualitätseindruck, möchten jedoch nicht so ganz zu der in Holznachahmung beplankten Mittelkonsole passen. Auch einige Schalter und Knöpfe stammen aus dem großen Toyota-Regal und trüben ein wenig das luxuriöse Ambiente des Innenraums. Die vielfach einstellbaren Sitze hingegen verdienen höchstes Lob und können auch gegenüber der deutschen Konkurrenz bestehen. Die vielen verschiedenen Tasten und Armaturen lassen die Mittelkonsole etwas überladen wirken, aber insgesamt folgt die Bedienbarkeit logischen Verknüpfungen im neu überarbeiteten Display in der Mittelkonsole.



Die beiden Einzelsitze der "Abience Ausstattung" lassen sich sehr individuell auf die Ansprüche der Fondpassagiere einstellen. Die Japaner sind sehr technikverliebt. Das beweist auch die Mittelarmlehne mit Fernbedienung für Entertainment und Massagefunktion.

Eine kompaktere Bauweise der Hybridkomponenten einschlißlich der Batterie ermöglichten unter anderem ein gößeres Kofferaumvolumen. Dynamischer und effizienter Vollhybrid-Antrieb Die Fülle an technischen Highlights des Lexus LS 600 h ist auch beim Thema Antrieb ungebrochen. Ein speziell für den Vollhybrid-Einsatz entwickelter 5,0- Liter- V8 leistet 290 kW/394 PS. In Kombination mit einem Elektromotor, der 165 kW/225 PS leistet, ergibt das eine Gesamt-Spitzenleistung von 327 kW/445 PS. Die optimierte Hochleistungsbatterie sowie eine elektronisch gesteuerte Getriebeautomatik in Verbindung mit dem Allradantrieb verhelfen zu einer Fahrdynamik, die man dem Lexus auf den ersten Blick nicht zutraut.

Der Allradantrieb setzt sich aus drei Differentialen zusammen, der im Normalfall mechanisch im Verhältnis 40:60 zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt, die Aufteilung kann jedoch je nach Fahrsituation zwischen 30:70 und 50:50 variieren. Jedoch möchten die gemessenen Kraftstoffverbräuche kaum zur Leistung passen. Zugegeben, die Verbrauchsangaben von durchschnittlich 9,3 Litern auf 100 Kilometern sind von uns auch kaum zu erreichen gewesen, doch sind auch Verbräuche um die 12 Liter bei normaler Fahrweise im Drittelmix aus Stadt, Autobahn und Überland ein durchaus respektabler Wert. Absolut lautlos bewegt sich der große Japaner im e-Modus durch den Stadtverkehr. Fordert man Leistung ab, dann kommt aus dem Motorraum ein leises Grummeln, und der V8 erwacht aus dem Schlaf.



Fahrwerk
Der LS 600 h ist mit einem erstklassigen Luftfahrwerk ausgestattet, das adaptive und variable Federelemente (AVS) besitzt. Für das Spitzenmodell wurden speziell abgestimmte Pneumatik-Zylinder und Einrohr-Stoßdämpfer entwickelt. Das AVS System beinhaltet im Lexus Flaggschiff eine automatische Wankstabilisierung (Vehicle Posture Control). Diese synchronisiert die Nick- und Rollbewegungen der Karosserie, um optimalen Fahrkomfort zu erzielen. Drei verschiedene Fahrwerkseinstellungen können gewählt werden. Dabei ist im Sport-Modus ein deutliches Plus an Agilität und Fahrdynamik zu verzeichnen. Die Comfort-Einstellung passt hingegen sehr gut zum entspannten Gleiten über kurze und lange Bodenwellen, die das erstklassige Fahrwerk komplett schluckt und nicht an die Insassen weitergibt.



Ein Fahrzeug mit Geschichte an einem Ort mit Geschichte. Die überarbeiteten Rückleuchten des Lexus haben wieder Farbe bekommen. Fazit Muda und Rohi, die japanischen Begriffe für Verschwendung und Nützlichkeit, kommen in der japanischen Fertigungs-Philosophie häufig vor. Der Lexus mag das ein oder andere technische Helferlein zu viel haben, doch insgesamt ist der LS eine ernsthafte Konkurrenz zu den Oberklasselimousinen der deutschen Hersteller. Dass einzigartige Systeme einen einzigartigen Preis haben, versteht sich von selbst, doch die knapp 130.000 Euro für den LS 600 h sind auch für dieses Fahrzeugsegment nicht wenig. Doch wer die heutige Spitze der Hybrid-Technik auf vier Rädern erleben möchte, den sollte auch dieser Preis nicht abschrecken. Der Lexus beeindruckt durch vielfältige Sicherheits- und Komfortsysteme, einen effizienten Vollhybrid-Antrieb und ein absolut geschmeidiges Fahrerlebnis.

Lexus schafft es, sich mit seiner mittlerweile breiten Modellpalette immer wieder neu zu erfinden und seinen seit Jahren zufriedenen Kunden die Qualität zu bieten, die sie gewohnt sind. Der Spagat zwischen fortschrittlicher Hybrid-Technik und außergewöhnlich geringen Schadstoffemissionen von 219 g/km für sehr gute Fahrleistungen ist Lexus sehr gut gelungen. Eji Toyoda hat wieder einmal die Messlatte für hybride Luxusfahrzeuge hoch angesetzt. Die deutschen Hersteller brauchen die Konkurrenz aus Japan jedoch nicht zu fürchten, denn leider ist er auf unseren Straßen noch ein Exot. Der technische Fortschritt, den sich der Mutterkonzern Toyota über die letzten 20 Jahre erarbeitet hat, wird für die deutschen Hersteller schwer einzuholen sein. Die Testredaktion von Alternative Motion freut sich auf den nächsten Luxus-Japaner.



Bewertung Plus:



* Fahrkomfort & Geräuschdämmung
* Sicherheitsausstattung & Multimedia
* Fahrleistungen & akzeptabler Verbrauch
* Vollhybridtechnologie



Minus:



* hoher Anschaffungspreis
* kleines Kofferraumvolumen
* eingeschränkte Rundumsicht



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hybrid, Lexus

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