Mercedes S 400 Hybrid: Hybride Sternstunde
von: Alternative Motion / GG
Die Marke Mercedes-Benz steht für technische Innovationen, Luxus, Komfort und Exklusivität. Doch in der hybriden S-Klasse strebt der schwäbische Pioniergeist eine Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotor an. Erst auf den zweiten Blick würde man eine Mercedes S-Klasse mit einem moderaten Kraftstoffverbrauch und einem umweltfreundlichen Antrieb verbinden. Sofort hingegen verbindet man mit der Marke Innovative Sicherheits- und Antriebskonzepte. Hybridsysteme waren noch bis vor einigen Jahren den zukunftsweisenden Entwicklungen von Toyota und Honda vorbehalten. Die Entwicklungslücke wussten nun jedoch die deutschen Ingenieure von Mercedes konsequent zu schließen, indem sie die Vorzüge des Stuttgarter Flaggschiffs mit den technischen Finessen der Verbrauchs- und Emissionsreduzierung verbunden haben.
Design & Karosserie
Prägende Designelemente wie den markanten Kühlergrill und das muskulöse Heck der S-Klasse mit ihren ausladenden Radhäusern immer wieder neu zu erfinden, und dennoch die markentypische Formensprache zu wahren, war eine große Herausforderung für die Designer. Auf den ersten Blick fallen die neu gestalteten Scheinwerfer im LED-Design ins Auge. Die beiden neuartigen Tagfahrleuchten im angesagten LED-Design kommen serienmäßig bei S 400 Hybrid, S 600 und S 65 AMG zum Einsatz und lassen die Luxuslimousine besonders nachts sehr ästhetisch erscheinen. Das Plus an Überholprestige ist dem Fahrer der modellgepflegten S-Klasse gewiss. Gemäß der Fahrzeugklasse und der stattlichen Ausmaße sind die fließenden Konturen des Mercedes sehr elegant und luxuriös geraten. Folglich scheint es sehr schwer etwas ohnehin sehr Gutes noch besser zu machen. Kleine Details verraten die Modellpflege, wie etwa die neuen Seitenspiegel und die rechteckig geformten Auspuff-Endrohre. Auch in der kurzen Version sind Länge und Radstand des Fahrzeuges auf Komfort eingestellt und ermöglichen ein entsprechendes Fahrverhalten.
Innenraum & Ausstattung Erst ein gelungenes Innenraumkonzept und Design machen ein Fahrzeug zum Erlebnis. Die Formensprache des Innenraums ist sehr fließend und weich. Es finden sich kaum Kanten, welche das wunderschöne Interieur negativ beeinflussen. Ein wunderbar harmonierender Materialmix aus weichem Nappaleder und erlesenen Holzapplikation lassen ein sofortiges Wohlfühlambiente aufkommen. Das aufgeräumte Cockpit punktet mit hervorragender Ablesbarkeit der Instrumente. Ebenso das überarbeitete Bedienkonzept welches kaum noch Ablenkung während des Fahrens nach sich zieht. Die Verarbeitungsqualität ist auf gewohnt hohem Niveau. Ein besonderes Highlight ist die Ambiente-Beleuchtung mit einem Led-Band, das die geschwungene Mittelkonsole und die Türen umrandet und eine sehr angenehme Wirkung auf die Insassen hat. Das ebenfalls gewachsene Display in der Mittelkonsole bildet die vielen Einstellmöglichkeiten, das Navi und die kompletten Entertainmentfunktionen ab. Die Sitze der überarbeiteten S-Klasse sind in der Tat Klasse. Sanfte Massage, Lüftung oder Heizung umschmeicheln das Gesäß und den Rücken, vortrefflicher lässt es sich kaum reisen. Die vielen Einstellmöglichkeiten unterstützen dieses ergonomische Erlebnis zusätzlich.
Man möchte fast nirgendwo anders mehr Platz nehmen. Hochwertige Polsterungen laden zum Sitzenbleiben ein. Die Langversionen sind serienmäßig mit Lederausstattung sowie Sitzheizung vorne und im Fond ausgestattet. Optional sorgt die Sitzklimatisierung bei Fahrer und Beifahrer für Wohlfühlklima im gesamten Sitzbereich. Eine Sitzklimatisierung für den Fond ist ebenfalls erhältlich. Doch nicht nur die Klimatisierung der Sitze, sondern auch die Aktivpolsterungen in Seitenwangen und Lehne tragen zu einem entspannten Fahrerlebnis bei. Bei Kurvenfahrten bläst sich die jeweils entgegengesetzte Seitenwange auf und verhindert somit das Hin- und Herschaukeln während der Fahrt. Dazu kommt ein großes Plus an Sicherheit, denn das System gewährleistet stets die richtige Sitzposition. Das von Mercedes bereits bekannte Sicherheitssystem PreSafe arbeitet ebenfalls mit dem S-Klassegestühl und passt bei drohendem Crash die Sitzposition gegebenenfalls an.
Antrieb & Bremsen
Ein Mercedes stand seit Anbeginn der automobilen Zeitrechnung für höchste Ansprüche und war das Maß an Technologiefortschritt und Exklusivität. So lange die deutschen Premiumhersteller sich gescheut haben, alternative Antriebssysteme in der Serie zu verbauen, so schnell und effektiv hat es Mercedes jetzt vorgemacht. Die Stuttgarter koppeln ihren Mildhybrid sogar mit Lithium-Ionen-Akkus, welche bekanntermaßen eine größere Speicherkapazität aufweisen. Ein bekanntes Problem bei der Verwendung der 28 kg schweren Akku-Einheit ist die Überhitzungsgefahr. Deshalb haben die Daimleringenieure die Akku-Einheit in den Kühlkreislauf des Mercedes integriert. Die von Continental zugelieferte Batterie kann somit auf einer Betriebstemperatur von 25 – 35 Grad Celsius betrieben werden.
Die Antriebseinheit, die aus einem Verbrennungs- und einem Elektromotor besteht, kann mit ordentlichen Fahrleistungen aufwarten. Gemeinsames Nenndrehmoment: 385 Nm (15 Nm Elektromotor). Eine sogenannte Boostfunktion ermöglicht den Sprint der schweren Limousine auf 100 km/h in etwas mehr als 7 Sekunden, da dabei kurzfristig beide Triebwerke zusammen arbeiten. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt abgeregelte 250 km/h. Der 3,5 Liter große V6 - Benziner passt perfekt zum Antriebskonzept, denn so lassen sich Verbrauchswerte von echten 7 bis 9 Litern erzielen. Werte, die in Anbetracht der Größe und der Leistungsdaten des S 400 h nahezu unerreicht sind. Diese Verbrauchswerte werden jedoch auch durch eine Vielzahl an technischen Neuerungen erzielt, wie etwa der Start-Stopp-Funktion, die den Motor abschaltet, sobald das Fahrzeug steht. Das rekuperative Bremssystem der S-Klasse versorgt die Batterien mit Energie. Damit der Fahrer stets weiß welcher Energiefluss dem Antriebsmanagement zu Grunde liegt, informiert das Comand-Display über den Batteriefluss und die rekuperative Energie, die wieder in das System eingespeist wird.
Fahrwerk & Getriebe Das Fahrwerk arbeitet sehr sensibel und leichtfüßig. Bodenunebenheiten werden ganz sanft weggebügelt und dringen nicht in den Innenraum. Der Mercedes ist insgesamt sehr weich abgestimmt, selbst in der Sport-Stellung. Doch insgesamt passt das adaptive Luftfahrwerk Airmatic sehr gut zum Fahrverhalten des Stuttgarters. Sämtliche Fahreinflüsse, wie etwa Wankbewegungen beim Einlenken oder das starke Abbremsen in den Stillstand, gleicht das elektronisch geregelte Fahrwerk in Millisekunden aus. Eine Steuereinheit errechnet ständig die optimalen Federungsverhältnisse für den jeweiligen Untergrund und stellt die Fahrwerkselemente entsprechend ein. Besonders auf den teils schlechten Fahrbahnen in Leipzig haben wir das Fahrwerk schätzen und lieben gelernt. Der S 400 h ist serienmäßig mit einer Siebengang-Automatik namens 7 G-Tronic Plus ausgestattet, die mit Hilfe von kleineren Drehzahlsprüngen die blitzschnellen Schaltvorgänge absolut ruckfrei und kaum merklich umsetzt. Auch beim Getriebe setzt Mercedes voll auf Individualität, denn geschaltet werden kann mittels anwählbarer Programme sportlich, komfortabel oder per Schaltpaddel am Lenkrad in Eigenregie. Das Plus in der Bezeichnung bezieht sich hierbei auf die serienmäßige Start-Stopp-Funktion, die den Motor im Eco-Modus abschaltet und Kraftstoff sowie Emissionen einspart.
Sicherheits- & Assistenzsysteme
Mercedes genießt weltweit auch deshalb einen hervorragenden Ruf, da die Stuttgarter immer schon Vorreiter auf dem Gebiet der Sicherheits- und Assistenzsysteme waren. Eine sehr hilfreiche Assistenzfunktion auf unseren Testkilometern war die Verkehrsschild-Erkennung. Auf unübersichtlichen Autobahnabschnitten wurde stets zuverlässig das Tempolimit im Kombiinstrument angezeigt. Somit konnte das Tempo entsprechend einfach angepasst werden. Die vielen kleinen und großen Helferlein im Mercedes tragen allesamt zu einem erstklassigen Sicherheitsgefühl bei. Auch die Totwinkel-Überwachung ist neben allen anderen Systemen sehr sinnvoll. Ein kleines rotes Dreieck im Seitenspiegel warnt rechtzeitig und leuchtet rot auf, wenn sich ein herannahendes Fahrzeug im toten Winkel befindet. Die Rückfahrkamera und Parksensoren sollen keine gesonderte Erwähnung finden, da sie bereits in anderen Fahrzeugklassen zum Standard gehören. Nichts desto trotz erwiesen sie sich bei diversen Einparkmanövern als außerordentlich hilfreich, wenn man die ausladenden Abmessungen des Stuttgarter Flaggschiffs bedenkt.
Fazit Dass die künftigen Besitzer einer hybriden S-Klasse keine Sparfüchse sind braucht eigentlich nicht erwähnt zu werden. Es geht eher darum, einen Meilenstein zu setzen und zu zeigen, dass der Hybridantrieb schon seit langem auch für das Luxussegment salonfähig gemacht wurde. Gut 94.000 Euro sind an den Mercedes-Händler Ihres Vertrauens zu überweisen, wenn Sie in den Genuss einer hybriden Sternstunde kommen wollen. Und dies tun Sie dann mit einem Durchschnittsverbrauch von 10 – 11 Litern. Der Anschaffungspreis lässt sich mit dem einen oder anderen Extra bequem auf die Marke Eigenheim hinaufschrauben. Mercedes bietet aber schon ab Werk in der Basisausstattung eine Fülle von Individualisierungsmöglichkeiten an, welche den Sternwanderer nicht nur in Exklusivität sondern auch in Individualität zum Erlebnis macht. In Anbetracht der überschaubaren Kraftstoffverbräuche verleiht dieser Hybrid der Mercedes S-Klasse in den oberen Chefetagen ein grünes Image.
Bewertung
Plus:
- erstklassige Verarbeitung
- Fahrkomfort
- akzeptabler Verbrauch
Minus:
- Anschaffungspreis
- leicht teigiges Lenkgefühl
Hybrid