Subaru Impreza Ecomatic – LPG auf die sportliche Art
von: Ralf Schütze / rs
Subaru Impreza – da denkt man im ersten Moment eher an zahllose Rallye-Erfolge vor allem des unvergessenen Colin McRae in den neunziger Jahren, als an umweltschonendes und kostensparendes Fahren mit Autogas. Die aktuelle Ausgabe seines Impreza – inzwischen ein kompakter Schrägheckler – bietet Subaru, weltweit größter Hersteller von Allrad-Pkw, wahlweise mit Autogas-Betrieb an, zu erkennen am Zusatz „Ecomatic“. 2.900 Euro kostet der Umbau ab Werk (im Falle des üppig ausgestatteten 2.0R Sport zusätzlich zum Grundpreis von 26.300 Euro). Lohnt sich der Gas-Umbau auch finanziell, oder muss man sich mit dem reinen Umweltgewissen wegen relativ sauberer Verbrennung begnügen? Der Alternative-Motion-Test gibt Auskunft.
Rallye-Gene sind auf den ersten Metern spürbar
Die Rally-Gene sind diesem Kompaktwagen aus Fernost gleich auf den ersten Metern anzumerken: Knackige Schaltung, direkte Lenkung, hervorragende Traktion dank permanentem Allradantrieb. Dennoch verwöhnt der Impreza die Bandscheiben mit ausreichendem Federungskomfort, was besonders für ein Auto dieser Klasse im Hinblick auf eventuell gefragte Familientauglichkeit wichtig erscheint.
Subaru ist Vorreiter in Sachen Autogas. Neben dem kompakten Impreza bieten die Japaner noch zur Umrüstung auf Autogas an: Den ausgewachsenen SUV Forester, die Mittelklasse-Limousine Legacy (auch als Kombi erhältlich) und den Crossover aus Kombi und SUV namens Outback. Die Umrüstung kostet 2.900 Euro extra. Der Flüssiggastank findet in der Reserveradmulde Platz und ermöglicht somit den bivalenten Betrieb des Impreza ohne deutlichen Verlust an Stauraum. Der Tank fasst gut 50 Liter und ermöglicht somit eine reine Autogas-Reichweite je nach Fahrstil von deutlich über 400 km. Dazu kommt der normale Benzintank mit 60 Litern Fassungsvermögen, der laut 8,6 l/100 km Normverbrauch für weitere knapp 700 km gut ist – macht in Summe etwa 1.100 km Reichweite. Vorteil des bivalenten Antriebs mit Autogas und Benzin vor allem: Zwar liegt die Dichte der LPG-Tankstellen inzwischen recht hoch (über 6.000 bundesweit). Jedoch ist man bei Langstreckenfahrten nie unbedingt auf eine Autogas-Zapfsäule angewiesen, denn die Umstellung auf Benzinbetrieb geschieht auf Knopfdruck oder – bei leerem Gastank – automatisch.
2.900 Euro Umbaukosten sind nach rund 75.000 km amortisiert
Den Gas-/Benzin-Knopf drückt man im Impreza Ecomatic allerdings auf einem etwas improvisiert wirkenden Instrumentchen links vom Lenkrad, auf dem nach Aktivieren des LPG-Modus grüne LEDs den Füllstand des Gastanks anzeigen. Auf Reserve leuchtet nur noch eine rote LED. Bei unseren Testfahrten bewies der saubere Impreza im Gasbetrieb eine Reichweite von knapp 500 km, allerdings zeigte er ohne wirkliche Not bereits 100 km vor Tankleere Reserve an – also eindeutig zu früh. 10,4 l/100 km Verbrauch kamen bei schneller Autobahnfahrt mit oftmals 140 bis 150 km/h zustande. Bei konstant 120 km/h genehmigte sich der sportliche Impreza genau 8,4 Liter Autogas und unter identischen Bedingungen 8,3 Liter Superbenzin. Das entspricht nicht den Werksangaben von Subaru zum Normverbrauch (also samt Stadtverkehr), denn da liegt der Nachteil von Autogas gegenüber Benzinbetrieb bei 11,6 gegen 8,6 l/100 km. Demnach hat man bei einer typischen Jahreslaufleistung von 25.000 km die Umbaukosten nach gut drei Jahren oder 75.000 km wieder herin.
Motorcharakteristik ändert sich im LPG-Betrieb unmerklich
Wer die Sache nicht nur finanziell betrachtet: Der Impreza Ecomatic ist umweltfreundlicher als seine reinen Benzin-Modellbrüder und bietet bei Bedarf die enorme Reichweite von beiden Tanks. Außerdem: Einmal voll tanken für 32 Euro macht sehr viel Spaß. Aber wie sieht’s mit dem Fahrspaß aus, der gerade beim fahraktiv ausgelegten Subaru Impreza einen hohen Stellenwert hat? Die Charakteristik des Motors ändert sich im LPG-Modus nicht merklich gegenüber Benzinbetrieb. Eine spürbare Durchzugsschwäche kann man dem 2-Liter-Boxermotor in beiden Fällen ankreiden, dafür röhrt er boxertypisch umso agiler und sportlicher in notwendige Drehzahlhöhen hinauf. Eine eventuelle schwächere Performance mit LPG ist offenbar nur mess-, aber nicht spürbar. Wie bei Benzinbetrieb genießt man mit Autogas-Power die enorme Agilität des Japaners. Erstaunlich ist, dass das sehr sportlich-straffe Fahrwerk keine unguten Komforteinbußen mit sich bringt.
Nachteile bringt der Impreza innerhalb der kompakten Schrägheck-Limousinen der Golfklasse in Sachen Innenraum: Vorn hat man zwar sehr gut Platz, hinten jedoch herrscht wenig Beinfreiheit, und der Kofferraum gehört mit 301 Liter im Normalzustand zu den kleineren dieser Klasse. Jedoch kann man davon ausgehen, dass ein typischer Impreza-Fan weder die hinteren Sitze sehr oft nutzt, noch Wert auf ein üppiges Gepäckabteil legt. Stammkunden bei Ikea und Mitglieder von kinderreichen Familien werden eher zu einem Kompakt-Van greifen. Zwar tun auch dem kompakten Subaru die Vorteile variabler Schrägheck-Limousinen gut, ganz oben auf der Prioritätenliste seiner Besitzer werden sie aber nur selten stehen. Als Konkurrent kann man den Impreza besonders zum Audi A3 Sportback einstufen, der ebenfalls zugunsten sportlicher Ausrichtung auf praktische Vorzüge etwa seines Plattformbruders VW Golf verzichtet. Weitere Kontrahenten: Landsleute des Impreza wie Mazda 3 oder Mitsubishi Lancer Sportback.
Fazit: Der Impreza ist ein typischer Konkurrent für den Audi A3 Sportback
Der Preisvorteil von LPG, das momentan rund 64 Cent pro Liter kostet, ist dank der gesetzlich festgelegten Mineralölsteuer bis 2018 gesichert – alle Preisvorteile, die man sich zum Beispiel auf dem Amortisationsrechner von Alternative Motion ausrechnen kann, sind somit auf viele Jahre hinaus verlässlich. Was nach wie vor etwas nervt: Oftmals stehen die LPG-Zapfsäulen ein wenig verloren im hintersten Winkel auf dem Tankstellengelände und sind mit keiner deutlichen Gebrauchsanleitung versehen. Die wäre erstens nötig, weil ein LPG-Frischling den an sich unkomplizierten Vorgang am leichtesten lernt, wenn er einige Male eine klare Anleitung zur Hilfe gehabt hat. Und zweitens gibt es immer wieder eine Besonderheit an verschiedenen Zapfsäulen – zum Beispiel muss man manchmal einen Knopf konstant drücken, damit Gas in den Tank fließt, während man anderswo nur einmal drücken muss, um den Vorgang zu starten. Aber: Auch sportlich orientierte Impreza-Fahrer gewöhnen sich daran und genießen schon bald den günstigen und umweltschonenden Gas-Fahrspaß.
Bewertung
Plus:
- günstige spritkosten
- solide Verarbeitung
- sehr gute platzverhältnisse vorn
- optimale traktion dank allrad
- neutrales kurvenverhalten
Minus:
- durchzugsschwäche (gilt für benzin und autogas)
- wenig beinfreiheit im fond
- kleiner kofferraum
Autogas