Toyota Auris HSD: Hybrid für die breite Masse
von: Ralf Schütze / rs
Toyota gibt in Sachen Hybrid jetzt Vollgas und macht sich auf, nach der Öko-Nische mit fortschrittlichem Elektro-Benzin-Antrieb auch die populäre Kompaktklasse zu erobern: Der Golf-Gegner Toyota Auris ist der erste Vollhybrid seiner Klasse und bietet Hybrid-Antrieb zum Dieselpreis: Ab 22.950 ist der kompakte Toyota ab 18. September in Deutschland zu haben und damit um rund 2.500 Euro günstiger als der Prius. Systemleistung: 136 PS. Bestwerte der Kompaktklasse in Verbrauch und Emissionen: 3,8 Liter Benzin und 89 g CO2/km. Das richtige Auto nicht nur für Hightech-Freaks und ökologische Avantgardisten, sondern auch für den durchschnittlichen Autofahrer mit einem Faible für umweltbewusstes Fahren und Sparen – letzteres beschränkt sich nicht nur auf Spritkosten, sondern gilt auch für den Unterhalt des besonders wartungsarmen Hybrid für die Masse.
Nachhaltigkeit ohne Verzicht Nachhaltige Mobilität muss keineswegs Verzicht bedeuten, so auch beim Auris Hybrid: Trotz seiner Rekord-Verbrauchswerte im europäischen Kompaktsegment liefert er die Fahrleistungen eines 2,0-Liter-Benzin- oder Dieselmotors: Null-auf-hundert-Sprint in 11,4 Sekunden (ganz nebenbei der Bestwert für Autos mit weniger als 100 g CO2-Ausstoß), Topspeed 180 km/h. Möglich macht dies der Vollhybrid mit einem 1,8-Liter-VVT-i-Benzinmotor mit 73 kW/99 PS und einem 60 kW/82 PS starken Elektromotor, die sich zu einer Systemleistung von 100 kW/136 PS kombinieren.
Beide Aggregate treiben den Hybrid-Auris je nach Fahrsituation gemeinsam oder einzeln an, das macht den Unterschied des Vollhybrid zu Mildhybrid-Wettbewerbern aus. Im sogenannten EV-Modus flüstert sich der Auris emissionsfrei rein elektrisch durch den Straßenverkehr. Maximal 50 km/h sind so möglich, allerdings: Die Power der Nickel-Metallhydrid-Batterie reicht dabei nur für maximal zwei Kilometer. Durch die Akkus reduziert sich der Auris-Kofferraum von normalerweise 354 auf 310 Liter – also von leicht über Golf-Niveau auf deutlich darunter, aber immer noch ausreichend. Außerdem ist die Rücksitzbank weiterhin umklappbar und ermöglicht bei Bedarf 1.540 Liter Stauvolumen. Meist unterstützt der Elektro- den Verbrennungsmotor beim Anfahren oder Beschleunigen mit extra Drehmoment. Apropos: Während der Benziner relativ bescheidene 142 Newtonmeter auf die Kurbelwelle leitet, wuchtet der E-Motor aus dem Stand mächtige 207 Nm drauf.
Vier Fahrprogramme von rein elektrisch „EV“ bis möglichst kräftig „Power“
Etwas gewöhnungsbedürftig: Das stufenlose E-CVT-Getriebe des Auris HSD („Hybrid Synergy Drive“), das klare Gangstufen-Übergänge vermissen lässt und ständig für ein leicht angestrengtes Motorgeräusch sorgt. Die elektronisch gesteuerte Getriebeautomatik kontrolliert der Fahrer mittels Shift-by-wire-Technologie über einen elektronischen Wählhebel. Unterhalb des E-CVT-Hebels liegen die Tasten zur Wahl des Fahrprogrammes: „Normal“, „Power“ für zartgrüne Heißsporne, „Eco“ für giftgrüne Entspannungskünstler mit der Fähigkeit zum Leistungsverzicht und schließlich der reine Elektro-Antrieb zum lautlosen Heimkehren in die Reihenhaus-Garage nachts um vier Uhr. Angenehm: Das Zuschalten des Benzinmotors erfolgt nach dem reinen Strombetrieb ganz geschmeidig und ohne spürbares Ruckeln. Wie bereits angedeutet: „ECO“ reduziert das Ansprechverhalten des Gaspedals merklich und sorgt für eine verbrauchsoptimierte Regelung der Klimaautomatik, die wie ein Soundsystem, Alufelgen und LED-Tagfahrlicht zur Serienausstattung des Auris Hybrid gehört. Insgesamt scheint der normale Modus bei zurückhaltender Fahrweise der goldene Mittelweg beim Auris HSD zu sein.
3,8 l Normverbrauch klingt sensationell, der realisierbare Praxiswert dürfte je nach Fahrweise bei knapp 5,0 Liter/100 km liegen – so unser erster Eindruck nach Testfahrten in und um Duisburg. Allerdings: Wer nach allen Regeln der Kunst bewusst sparsam fährt, kann den Auris Hybrid auf einen Durchschnittsverbrauch von nur knapp über 4,0 Liter drücken.
Eine Multifunktionsanzeige informiert den Auris-Piloten über die Stromrichtung während der Fahrt: Genehmigt sich der Toyota gerade kW aus den Akkus oder werden diese beim sogenannten Rekuperieren wieder geladen? Wer das geringschätzend als Mäusekino abtut, hat wohl die Idee des Hybrid-Systems und seiner Möglichkeiten in der Fahrpraxis nicht ganz verstanden. Denn: Gerade diese Informationen können motivierend auf den Fahrer wirken, um durch seine Fahrweise den Ladezustand zu fördern, die Entnahme von elektrischer Energie zu vermeiden und so den Gesamtverbrauch zu verringern. Die Multi-Informationsanzeige sitzt im Inneren des Tachometers und liegt somit perfekt im Sichtfeld des Fahrers, der dort nicht nur die Lade-/Entlade-Richtung erkennt, sondern auch, wie viel Energie gerade abgerufen oder zurückgewonnen wird.
Karosserie, Fahrwerk und Lenkung für den Hybrid-Einsatz modifiziert Im Vergleich zum gerade überarbeiteten konventionellen Auris ist der Hybrid-Kompakte von Toyota nochmals modifiziert worden, und zwar an: Karosserie, Fahrwerk und Lenkung. Unter anderem haben die Ingenieure wegen der veränderten Gewichtsverteilung die Stoßdämpfer vorne und hinten für optimalen Fahrkomfort anders abgestimmt. Auch wurde der Auris Hybrid um fünf Millimeter tiefergelegt, wovon sowohl die Aerodynamik als auch die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten profitieren.
Zurück zum Grundlegenden: Der Auris Hybrid beruht im Wesentlichen auf der bewährten Technik des Prius III, jedoch stellt sich der kompakte Golf-Jäger in seiner Formgebung deutlich massenkompatibler dar als der eigenwillig gestylte Prius. Wer sich für den umweltfreundlichen Hybrid-Antrieb im Auris entscheidet, spart im Vergleich zum größeren Markenbruder 2.500 Euro. Deshalb erscheint es keineswegs übertrieben, dass Toyota Deutschland noch in diesem Jahr mit etwa 20 Prozent Hybrid-Anteil beim Auris rechnet. Das wären 2010 etwa 1.800, im nächsten Jahr schon rund 2.500 Toyota Auris Hybrid auf unseren Straßen.
Fazit Es wurde höchste Zeit, dass man in der populärsten aller Fahrzeugklassen, also bei den Kompakten, einen Vollhybrid findet. Gefällig statt eigenwillig im äußeren Auftritt, faszinierend in der Technik, und ausstattungsbereinigt ohne Aufpreis im Vergleich zu konventionellen Auris-Brüdern. Es mag spannendere Konzepte zu alternativen Antrieben der Zukunft geben, aber die Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor bietet momentan eine reizvolle Basis für die Ausreizung des fahrerischen Sparpotenzials, ganz besonders mit dem Informations-Display im zentralen Blickfeld des Fahrers. Rekord-Verbrauch zum Standard-Preis – das bringt andere Hersteller in Zugzwang und könnte bald für weitere Vollhybride in der populären Kompakt-Klasse sorgen.
Bewertung
Plus:
- sparsam und sauber mit bestehender infrastruktur
- technik und design massenkompatibel
- praktischer nutzen und umweltverträglichkeit hoch
- günstige anschaffung, geringe unterhaltskosten, hohe wertstabilität
- akkus zuverlässig und bezahlbar
- umfangreiche serienausstattung
Minus:
- hybrid-kombination wirkt manchmal angestrengt
- noch keine plug-in-lösung
- kurze, rein elektrische reichweite von etwa 2 km
Hybrid