ALTERNATIVE MOTION - Finden, was in Zukunft bewegt.

Home > Magazin > Testberichte > Tesla Roadster Sport 2.5: Captain Kirk im 911 Turbo

Tesla Roadster Sport 2.5: Captain Kirk im 911 Turbo

von: Ralf Schütze / rs
Acht Stunden dauert der Ladevorglang an einer 32-Ampere-Dose wie bei den Münchner Stadtwerken.

„Die Erde – endliche asphaltierte Weiten. Wir schreiben das Jahr 2010. Dies sind die Abenteuer des Tesla Roadsters, der mit seiner ein Mann starken Besatzung für einige Stunden in und um München unterwegs ist, um neue Testeindrücke zu sammeln, neue Mobilität zu erforschen und neuen Fahrspaß zu erleben. Viele Kilometer vom Tesla-Showromm in der Münchner Innenstadt entfernt, dringt der Roadster in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor mit einem käuflichen Elektro-Auto gesehen hat.“
(Logbuch des Alternative-Motion-Testers, Erdendatum 13.8.2010 - Im Original aus „Raumschiff Enterprise“ nachzulesen ganz unten)



„Ziiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiisch“ – dieses Zischen kenne ich, und so beginne ich meinen Testbericht über den Tesla Roadster 2.5 frei nach Captain Kirks Einleitung zu Raumschiff Enterprise. Das Zischen des 288 PS starken Elektromotors kam mir gleich bei der ersten Beschleunigungs-Orgie so vertraut vor – jenes Zischen, das unaufhaltsam den intensiven Eindruck von Geschwindigkeit und Kraft in mein Gefühlszentrum hämmert. Wie in ferner Zukunft Captain Kirk, so stoße ich im Hier und Jetzt mit dem Tesla Sport in mir bisher unbekannte Galaxien vor: die Performance eines Porsche 911 Turbo mit der Geräuschkulisse des Raumschiff Enterprise.



Knappe Bodenfreiheit sorgt für Fahrdynamik, der Heckdiffusor ist neu beim Tesla 2.5. 118.000 Euro – „Wenn ich einmal reich wär“ Nächste Assoziation: „Wenn ich einmal reich wär“. Keine 20 Kilometer nach Teststart träume ich davon, mehr Geld als nötig zu haben. Meine Enterprise-Emotionen im Tesla Roadster 2.5 führen direkt zum unwiderstehlichen Wunsch, den Elektro-Boliden zu besitzen. Der Preis, den bezahlen zu können ich mir erträume: Knapp 118.000 Euro. Der Genuss: Mit 3,7 s von null auf 97 km/h (die exakte Umrechnung der US-Angabe von 60 mph) rase ich ebenso gigantisch schnell aus dem Stand los wie in einem Porsche 911 Turbo. Gefühlt ist es aber noch schneller, denn meine Sinne sind das nicht gewohnt: Null auf 100 in wenigen Sekunden ohne jegliches lautes Motorgeräusch.



Durch das zunächst lautlose Wegkatapultieren, das nach wenigen Metern immer deutlicher werdenden Elektromotor-Zischen weicht, konzentrieren sich meine Sinne noch stärker auf die reine Beschleunigung. Das Phänomen ist bekannt: Ebenso entstanden zwischen Stirling Moss und seinem kongenialen Beifahrer Denis „Jenks“ Jenkinson einst Handzeichen statt Zurufe als Beifahrerkommandos, weil der 25jährige Moss beim Ritt über die legendäre Mille Miglia vor lauter Sehen, Lenken, Schalten und Gasgeben nichts mehr hören konnte – der Lärm des SLR-Motors mag das Phänomen noch verstärkt haben. Ohne sein Gehör zu benötigen, eilte Stirling Moss 1955 zur unglaublichen Rekordrunde im berühmten italienischen 1000-Meilen-Rennen.



Die neuen Sportsitze im Tesla 2.5 bringen etwas mehr Kopffreiheit. Doch zurück zur Gegenwart: Der Tesla drückt mich dermaßen in den Sitz und ich empfinde diese Gewalt so unglaublich intensiv, wie ich es in vergleichbaren fossilen Supersportlern noch nie empfunden habe. Ein Ferrari 360 Challenge Stradale, der Dezibel-stärkste Brüll-Bolide, der jemals eine Straßenzulassung erhielt, ließ mich auf den Straßen rund um Maranello ebenfalls die messbare Beschleunigung vor lauter infernalischem Motorlärm noch intensiver spüren. Aber das hier im Tesla ist völlig neu und ganz anders. Und wenn das hier – wie viele Experten vermuten – die Zukunft der Mobilität ist, dann freue ich mich drauf wie als kleiner Junge aufs Christkind. Der Clou am Tesla Roadster: Er vereint die bekannte Fahrdynamik des Lotus Elise mit der atemberaubenden Performance eines Porsche 911 Turbo, und das geräusch- und emissionsfrei.



Das maßgeschneidert enge Cockpit bietet genügend Ablagemöglichkeiten. Zurück zu den Fakten und Daten: Der Tesla Roadster Sport 2.5 ist die dynamischste Variante des aktuellen Elektro-Zweisitzers. 2.5 steht für einige optische Retuschen an Front und Heck, neue Sitze, modifizierte Ausstattung, dazu die bewährte Antriebstechnik und handgefertigte Kohlefaser-Karosserie. 288 PS und im Roadster Sport 400 Nm Drehmoment (das Basismodell entwickelt 370 Nm). Deshalb reduziert sich der Spurt von null auf 97 km/h von 3,9 auf nur noch 3,7 Sekunden – exakt jene Zeit, die der Porsche 911 Turbo auf 100 km/h benötigt. Hinter dem Fahrer sitzen 6.831 Lithium-Ionen-Akkus und ein Dreiphasen-Elektromotor, der sich pro Minute bis zu 14.000 mal dreht. Tesla gibt im Prospekt bescheiden „Mehr als 350 km Reichweite“ an.



Tatsächliche Testreichweite: 360 km Meine tatsächliche Reichweite, hochgerechnet aus dem flott gefahrenen Verbrauch über knapp 100 Testkilometer hinweg, beträgt sogar punktgenau 360 km. Ich war dabei keinesfalls immer nach den Regeln der Nachhaltigkeit unterwegs, sondern erlaubte mir ein knappes Dutzend Beschleunigungsrennen gegen Motorräder und Sportwagen oder für mich ganz alleine. Oder ich führe Passanten vor dem Deutschen Museum das unglaubliche Beschleunigungsvermögen des Tesla Sport vor, denn die interessieren sich ja wohl besonders für Technik. Die verdrehten Hälse und starren Blicke hinter mir her, die ich noch lange im Rückspiegel beobachten kann, bestätigten meine Vermutung.



Ein echter Hingucker ist der Tesla schon im Stand - aber noch viel mehr, wenn er wie so schnell ein Porsche 911 Turbo, aber lautlos davon zischt. Aber ich muss zugeben: Ich rekuperiere auch wie wild. Die Bremsenergie-Rückgewinnung macht richtig Spaß, belohnt einen doch die Anzeige im rechten Instrument des Cockpits für vorausschauendes Fahren und gezieltes Ausrollenlassen zur roten Ampel hin, ohne die vier luftgekühlten Scheibenbremsen zu bemühen. Die Verzögerung dabei ist sehr stark. Nur für Notbremsungen brauche ich das Bremspedal, ansonsten werde ich alleine durch Stromwegnehmen ausreichend langsamer vor Kurven oder an Kreuzungen und Ampeln.



„Ich rekuperiere auch für Tiere“ – fahren ganz ohne Bremse Aus 50 km/h verzögert der rekuperierende Tesla Sport in etwa acht Sekunden auf fast null km/h. Nur die letzten Meter muss ich bremsen, denn wie ein konventionelles Automatik-Auto rollt der Roadster im Standstrom langsam, was beim gefühlvollen Rangieren oder Einparken hilfreich ist. Das Rekuperieren ist so stark, dass ich bereits über die Produktion von Aufklebern für Elektro-Autos nachdenke: „Ich rekuperiere auch für Tiere“. Ein findiger Produzent der bisherigen „Ich bremse auf für Tiere“-Buttons wird mir aber wahrscheinlich zuvorkommen.



373 km Reichweite zeigt das Info-Display zu Beginn der Testfahrt im Maximaum Range-Modus an. Trotz allen Rückgewinnens von Bremsenergie, trotz der 6.831 Handy-Batterien zwischen mir und der Hinterachse des Tesla. Irgendwann ist Schluss mit Strom. Genauer: Durch meinen Testverbrauch wären die Akkus nach 360 km leer. Das gilt übrigens fürs Fahren größtenteils im leicht gezähmten „Maximum Range“-Modus. Der „Performance“-Modus mit voller Power lässt sich per Finderdruck am Touchscreen aktivieren. Die Reichweite dabei verringert sich je nach gefahrener Strecke um 40 bis 70 Kilometer. Aber: Kein Mensch muss ständig in der stromzehrendsten Betriebsart rasen, zischen, katapultieren.



Akkus, Motor und Steuereinheit sitzen hinter den Passagieren. Zwei Ladekabel liegen bereit. Eineinhalb bis 18 Stunden Ladezeit je nach Stromart und Ampere-Zahl Stichwort Ladezeit: Die Aussichten auf immer schnellere Ladevorgänge in Zukunft klingen vielversprechend. Das vollständige Aufladen eines Tesla wird jedenfalls deutlich früher in den wenigen Minuten fossilen Auftankens möglich sein, als Captain Kirks Raumschiffabenteuer vom Jahr 2200. Aktuell liegt die optimale Ladezeit an einem Drehstromanschluss mit 400 Volt/63 Ampere bei eineinhalb bis zwei Stunden. An einer bereits verfügbaren Ladesäule wie bei den Stadtwerken München liegen 32 Ampere an, das führt zu rund acht Stunden Ladedauer. Im Kofferräumchen des Tesla liegt auch ein Ladekabel für Anschluss an eine Haushaltssteckdose, damit dauert’s dann bei völlig leeren Akkus etwa 16 bis 18 Stunden. Das ist meist immer noch schnell genug, um zwischen typischem Heimkehren am Abend und Losfahren ins Büro am morgen komplett oder knapp voll zu laden – und das übrigens unter Nutzung von Wechselstrom, den Namensgeber und Erfinder-Legende Nikola Tesla, gebürtiger Kroate, einst entdeckt hat.



Nikola Tesla wäre stolz auf den unter seinem Namen fahrenden Elektro-Roadster – zum Beispiel wegen der Akkus: Auf diese wie auf das gesamte Auto gewährt Tesla eine Garantie von drei Jahren. Beim Kauf eines Tesla kann sich der Kunde bereits dafür entscheiden (muss allerdings auch gleich dafür bezahlen), dass er nach 100.000 Meilen oder 160.000 km einen neuen Batteriesatz für rund 11.000 Euro erhält. Das heißt: Kein Schreckgespenst von nachlassender Akkuleistung oder unberechenbaren Kosten für neue Energiespeicher. Stattdessen weiß der Teslafahrer, was ihn im schlimmsten Fall erwartet. Dass dieser Fall gar nicht so weit weg liegt, zeigt ein Kunde der Tesla-Niederlassung München. Der hat in einem Jahr bereits 40.000 km auf den Tacho gebracht, die Akkus sind so leistungsstark wie auf den ersten Kilometern.



Photovoltaikanlagen bringen umweltfreundlichen Strom fürs Fahrvergnügen. Mit dem Modell 2.5 durchlebt der Tesla Roadster momentan eine neue Phase. In die Showrooms wie in Monaco, Zürich oder München kommen nicht mehr nur jene Pioniere, die es sich leisten können, jeden Trend von Blueray bis iphone als erste auszuleben. Längst gibt es die ersten Porsche- oder Maserati-Fahrer, die vom klassischen Sportwagen als Zweit- oder Drittauto auf den Elektro-Racer Tesla umsteigen. Sie haben die niedrigen Kosten für eine Batterieladung nicht nötig, freuen sich aber dennoch darüber. Zumal, wenn der Strom umweltfreundlich in Solarzellen auf dem Carport entsteht.



Fazit: „Gebt mir 118.000 Euro und ich kaufe einen Tesla Roadster Sport 2.5“ Tut mir leid, Porsche; mi dispiace, Ferrari; sorry, Corvette: Aber 118.000 frei verfügbare Euros würde ich ohne mit dem Gasfuß zu zucken in den Tesla-Showroom tragen. Zugegeben: Die Herkunft des Stroms, den ich verfahre, ist noch ein zu lösendes Problem. Außerdem müssen sich neben der Reichweite auch die Ladezeiten in praxisgerechte Regionen entwickeln, um aus einem solchen Elektro-Fahrzeug ein vollwertiges Alltags-Mobil zu machen. Aber wenn es um ein fahrspaßiges Zweit- oder Drittauto geht, dann hat der Tesla die Carbon-Nase heute bereits ganz weit vorne.



Atemberaubend ist die Beschleunigung im Performance-Modus - 3,7 s von null auf 97 km/h. Infozentrale - links kmh und Drehzahl, rechts Verbrauch oder Rückgewinn von Energie in kW. Die Front ist seit dem Facelift zum Tesla Roadster 2.5 noch dynamischer als bisher gestaltet. Reichlich hochwertiges Sichtcarbon etwas an der Fronthaube unterstreicht den sportlichen Charakter des Tesla Roadsters.

Bewertung Plus:



  • performance eines porsche 911 turbo
  • fahrspass eines lotus elise
  • 360 km testreichweite
  • kurze ladezeit mit leistungsstarker drehstromladung
  • null vor-ort-emissionen
  • wenig verschleiss durch elektromotor und rekuperieren


Minus:



  • hoher anschaffungspreis (gilt jedoch nur absolut, nicht in relation zu vergleichbaren sportwagen)
  • lange ladezeit an haushaltssteckdosen


Einleitung zu „Raumschiff Enterprise“ – das Original:
"Der Weltraum - unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat."
(Logbuch des Captains, Sternendatum 0989,1)



Artikel mit ähnlichem Inhalt:
Mini-E, Elektroauto, Tesla, Peugeot Ion, Mitsubishi Imiev

WEITERFÜHRENDE TESTBERICHTE ZUM THEMA


AKTUELLE ANGEBOTE

Renault Megane Cabrio Autogas

Renault Megane Cabrio... Antrieb: Autogas
Preis: 4.870,00 €

Opel Combo 1.4 Twinport Gasanlage

Opel Combo 1.4 Twinport... Antrieb: Autogas
Preis: 9.990,00 €

Renault Twingo 1.2 16V-LPG-Gas

Renault Twingo 1.2... Antrieb: Autogas
Preis: 3.750,00 €

Mercedes-Benz B 180 Sportpaket Autogas LPG GPL Original MB Alu

Mercedes-Benz B 180 Sportpaket... Antrieb: Autogas
Preis: 22.840,00 €

Citroën C3 1.4 Tendance / Klima / ESP / LPG

Citroën C3 1.4 Tendance /... Antrieb: Autogas
Preis: 11.890,00 €


FAHRZEUG-SCHNELLSUCHE

Anzeige 
Standort
Kraftstoff