Ford Fiesta LPG: Ich will Spaß, ich geb Gas
von: Ralf Schütze / rs
Fahrspaß bietet der erfolgreiche Kleinwagen Ford Fiesta ohne Zweifel: Straffes Fahrwerk, knackige Schaltung und agile Motoren machen richtig Laune. Aber funktioniert der 80er Jahre-Schlagertext von Markus („Ich will Spaß, ich geb Gas“) auch, wenn damit Autogas gemeint ist? Viele Autofahrer sind skeptisch wegen der Sicherheit, des Tankstellen-Netzes oder einfach gegenüber dem fremdartigen Treibstoff. Unser Test hat jedoch gezeigt: Solche Bedenken sind unbegründet, man kann mit dem Fiesta LPG umweltfreundlich und kostengünstig unterwegs sein und hat immer den vollen Benzintank als Rückversicherung. Und auch mit LPG kommt der Fahrspaß keineswegs zu kurz. Deshalb: Eine Alternative, die sich Kleinwagenkäufer unbedingt näher ansehen sollten.
Am Ende der Strecke Maranello-Mittenwald drohen 12 % Steigung am Zirler Berg
Zirler Berg bei Innsbruck, eine gewaltige, von Wohnmobil- und Lkw-Fahrern zurecht gefürchtete Steigung Richtung Garmisch-Partenkirchen. In meinem Gastank-Display blinkt das letzte von vier Lämpchen. Reserve! Aber keine Panik. Zwar weiß ich seit der Herfahrt von München in Richtung Italien, dass ich ohne zu tanken durch Österreich durchkommen muss, um dann an der ersten deutschen Tankstelle wieder Autogas auffüllen zu können. Aber zur Not kann ich auf Benzin umschalten lassen. Das macht der Fiesta automatisch, sobald im gut 33 Liter fassenden Autogas-Reservoir in der Reserveradmulde Ebbe herrscht. Bis dahin genieße ich den Durchzug des LPG-Fiesta: Er schiebt die anfangs rund zehn Prozent Steigung problemlos im 5. Gang hoch. Erst, als wir uns den maximal 16 Prozent nähern, muss ich zunächst in den dritten, nach der Spitzkehre in den zweiten Gang zurückschalten, komme jedoch auch jetzt mit deutlichem Nachdruck den steilen Berg hinauf.
Mein Fazit ist somit komplett: Der Fiesta hängt auch im Autogas-Betrieb schön am Gas. Weniger Schmalz im Vergleich zu Benzinbetrieb spüre ich zwar, wirklich störend wirkt dies allerdings nur beim Überholen. Dahin-Cruisen ohne deutliche Beschleunigung ist kein Problem. Erst beim Versuch, zügig von 80 auf 120 km/h zu kommen, zuckt mein rechter Zeigefinger, um per Knopfdruck im Nu und problemlos auf Benzinbetrieb umzustellen. Ein kurzes Piepsen, schon liegen 96 statt 92 PS an. Aber wesentlich ist dieser kleine Unterschied nicht. Wenige Schwächen wie die nervöse Lenkung und die eingeschränkte Übersichtlichkeit teilt der LPG-Fiesta mit seinen konventionellen Benzin- und Diesel-Brüdern ebenso wie folgende Pluspunkte: ESP in allen Versionen, gutes Raumgefühl, saubere Verarbeitung, bequeme Sitze mit Langstreckenkomfort, agiles Fahrwerk, knackige Schaltung.
Es ist inzwischen kein Problem, ausschließlich mit Autogas zu fahren Viel wichtiger als der minimale rechnerische PS-Unterschied: Die meiste Zeit komme ich mit der Autogas-Power gut aus. Und was die Schreckensgebilde „Reichweite“ und „Tankstellen-Suche“ betrifft: Der Benzintank ist mit serienmäßiger 45-Liter-Kapazität unverändert an Bord und bringt im Notfall alleine schon 775 km Reichweite (bei 5,7 Liter Normverbrauch). Der Autogas-Tank fasst 33,6 Liter und bringt laut Ford weitere 473 km Reichweite (7,1 Liter/100 km). Meine längste Fahrt nur mit LPG geht 403 km weit von Maranello bis nach Mittenwald. Das Tankstellen-Netz in Italien ist ebenso dicht wie etwa in den Niederlanden und auch in Deutschland. Hierzulande sind es mittlerweile 5.500 Anlaufstellen, jede Woche kommen drei weitere hinzu. Und: Unsere Testwerte korrigierten die Werksangaben für eine mögliche Reichweite zwar etwas nach unten, aber alles in allem kann die Alternative Autogas im Fiesta voll und ganz überzeugen.
Gewöhnungsbedürftig ist so vieles im Leben, auch das Fahren mit Autogas. Jedoch dauert die Phase der Eingewöhnung überraschend kurz, und ist die Zahl der bemerkenswerten Erlebnisse mit dem ungewohnten Treibstoff erstaunlich gering. Einmal stirbt mir der Motor im Gasbetrieb beim Einparken auf einen Randstein ab. Klares Zeichen für ein bisschen weniger Drehmoment, als am ersten Test-Tag im Benzinbetrieb. Dann das Tanken: Ich fahre mit Autogas-Antrieb von München nach Italien, tanke erstmals an der A22 zwischen Brenner und Modena – wie in Italien üblich mit Tankwart-Service. Wir stellen kurz fest, dass man den beiliegenden Tank-Adapter halbieren muss, damit der italienische Zapfpistolen-Anschluss passt. Das war’s. Jetzt nur noch ein deutliches „pieno, per favore!“, und schon füllt der Agip-Ragazzo meinen Tank voll. Die vielen Autogas-Tankstellen erkenne ich im Land von Pizza, Pasta und Propangas nicht wie bei uns am „LPG“-Zeichen, sondern „Gas Auto“ oder „GLP“ (Abkürzung für „Gas Liquido Propano“). Tank-Rüssel weg von „Gas Metano“, denn das ist Erdgas oder CNG!
21,10 Euro für gut 400 km mit LPG statt knapp 40 Euro mit Benzin Weiteres Schlüsselerlebnis: Nach erstaunlich kraftvoller Bewältigung des Zirler Berges steuere ich erstmals in Deutschland eine LPG-Zapfsäule an. Jetzt muss ich alles selbst machen, und: Es funktioniert! Einziger Unterschied zum Benzin- oder Diesel-Nachfüllen: Ich schraube den Tankschlauch auf den Adapter (jetzt wieder mit beiden Teilen drauf), drücke zuerst an der Zapfpistole einen Hebel, dann noch mal an der Zapfsäule, schon strömt Gas in den Tank. Danach lege ich den Adapter ins Handschuhfach und warte vergebens auf irgendeinen bemerkbaren Gasgeruch. Also kein Problem. Und dann noch das immer wiederkehrende Erfolgserlebnis an der Tankstellen-Kasse: 32,02 Liter Autogas, pro Liter 65,9 Cent, macht insgesamt 21.10 Euro Spritkosten für über 400 km. Benzin hätte mich auf der selben Strecke an die 40 Euro gekostet. Da lässt sich der Mehrpreis von 2.000 Euro ganz gut verschmerzen, zumindest für Vielfahrer.
Beim Umschalten zwischen Benzin- und Autogas-Betrieb – egal, ob wegen leerem Gastank oder einfach aus Neugierde – ist kein Ruckeln oder ähnliches spürbar. Fließend geschieht der Übergang von 92 auf 96 PS oder retour. Nur die Anzeige im Umschalt-Knopf schaltet von einem roten (Benzinbetrieb) auf mehrere grüne Lichter, die den restlichen Füllstand des Gastanks anzeigen. Die Konstruktion wirkt etwas improvisiert, so wie auch die zusätzliche Bedienungsanleitung, aber wir fahren hier eben kein wirkliches Großserienmodell, sondern eines von 7.600 Autogas-Fiestas, die Ford 2010 produzieren wird.
Unser Verbrauch zwischen Maranello und Mittenwald liegt bei knapp acht Litern. Die selbe Strecke hätten wir im Benzinantrieb mit knapp sieben Litern Verbrauch bewältigt. Angesichts dieses Mehrverbrauches wäre es wünschenswert, dass man bei ab Werk angebotenen Autogas-Fahrzeugen wie dem Ford Fiesta schon bald den normalen Sprit-Tank mit LPG befüllen kann, und die Reserverad-Mulde fürs Not-Benzin ausgerüstet ist. Das würde beim Fiesta die Reichweite mit Autogas von 473 auf 633 km erhöhen.
Fazit: Autogas ist speziell im Ford Fiesta eine interessante Alternative
Autogas kann für viele Kleinwagenfahrer die richtige Lösung sein. Details zum Umstieg auf Autogas findet man in unserer Rubrik „Antriebskonzepte/Autogas“ – samt Auflistung aller momentan angebotenen Fahrzeugtypen. Der Ford Fiesta LPG bereitet auch im Gasbetrieb Fahrfreude und zaubert mit jeder Tankfüllung ein Lächeln ins Gesicht des Fahrers, der nur rund die Hälfte Spritkosten rechnen muss. Sicherheitsprobleme sind dank detaillierter, EU-weiter Einbauvorschriften kein Thema, an alle Bedienungsdetails gewöhnt man sich im Nu. Viel mehr Autofahrer als bisher würden wohl auf die Alternative Autogas umsteigen, wenn sie mehr darüber wüssten. Also: Probefahren und Rechnen, vielleicht steht dann schon bald ein Fiesta LPG in der Garage.
Bewertung
Plus:
- nur etwa hälfte der spritkosten mit lpg
- keine probleme beim umschalten von benzin auf gas
- serientank mit benzin als „775 km-reserve“
- keine sicherheitsprobleme
- gutes, ständig wachsendes tankstellen-netz für autogas
Minus:
- leistung und drehmoment etwas geringer im gasbetrieb
- nur 33,6-liter-tank in reserveradmulde