Mitsubishi i-MiEV: Mit Spannung in die Zukunft
von: Ralf Schütze / rs
Ob man sich nun auf sie freut, ihr skeptisch entgegenblickt oder gespannt darauf wartet, sie kommt so oder so: die Elektro-Mobilität. Im Dezember 2010 in Form des ersten käuflichen Elektro-Autos eines Großserienherstellers. Modellname: Mitusishi i-MiEV. Klingt zunächst komisch, ist jedoch eine plausible Abkürzung für “Mitsubishi Innovative Electric Vehicle”. Denn innovativ ist der kleine, viersitzige Japaner durchaus. Zwar wird sein Marktstart mit dem der baugleichen Peugeot i-On und Citroen C-Zero zusammenfallen, die technische Pionierleistung liegt jedoch eindeutig bei Mitsubishi. 39.900 Euro stehen derzeit in vielen Kaufverträgen, die bereits gezeichnet werden, auf rund 35.000 werde der Preis nach Expertenmeinung wohl noch sinken, bis der i-MiEV über unsere Straßen rollt. Wir waren mit dem Elektro-Kleinwagen von Mitusibhi in Frankfurt am Main unterwegs und schnupperten an der Mobilität von morgen. Und wir stellten fest: Er rollt recht flott.
Unterflurtechnik für tiefen Schwerpunkt und hohe Agilität
An einem typischen Donnerstag gegen 11 Uhr winden wir uns im wieselflinken Stromflitzer durch den dichten Verkehr der Frankfurter Innenstadt. Der i-MiEV ist mit 3,40 Meter einen halben Meter kürzer als ein VW Polo, jedoch ein vollwertiger Viersitzer. Der Trick: Der nur 1,1 Tonnen schwere Kleinwagen hat die „rear-midship“Bauweise vom konventionellen Minicar „i“ übernommen, deshalb sitzen Lithium-Ionen-Batterien, Elektromotor, Umrichter und weitere Komponenten unter dem Fahrzeugboden. Viel Platz auf kleinem Raum ist das Ergebnis, dank 2,55 m Radstand auch genügend Beinfreiheit auf allen Sitzen. Außerdem führt der dadurch niedrige Schwerpunkt zu Vorteilen in Sachen Agilität und Fahrstabilität, was man dem Stromzwerg schon nach wenigen Kilometern anmerkt.
Damit man im i-MiEV flott durch japanische Mega-Cities kommt, geriet der Wendekreis mit 9 Metern angenehm klein. Dank Heckantrieb können die Vorderräder besonders weit einschlagen. So passieren wir im flotten Slalom zahllose Lieferwagen, die in zweiter Reihe zum Entladen stehen. Wir haben das Gegenteil vor: Aufladen an der Solar-Tankstelle nahe der Hauptwache mitten im Zentrum – ohne für Strom oder Parkraum etwas zu bezahlen. Wir sparen gut zwei Euro für die Batteriefüllung und zahlen obendrein keine Parkgebühren. Als wir den 1,40 Meter schmalen i-MiEV durch die nur zehn Zentimeter breitere Lücke zwischen zwei Pollern in die Fußgängerzone hinein zirkeln, hält uns niemand auf – auch nicht zwei freundliche Wachtmeister, die nach kurzem Zögern bestätigen: „Na klar, Sie müssen ja zum Aufladen.“
Anfahren der Solar-Tankstelle in der Fußgängerzone wird derzeit geduldet An den Steckdosen der Solar-Tankstelle inmitten der Fußgängerzone hängen vor allem E-Roller oder E-Fahrräder. Aber auch wir i-MiEV-Fahrer holen uns in der Verkehrsinsel einen Schlüssel, entriegeln damit eine von sechs Haushalts-Steckdosen und hängen das Strom-Mobil zum Laden dran. Das dazu nötige Befahren der Fußgängerzone wird momentan geduldet, gestrandete Elektromobilisten müssen keine Strafzettel befürchten. Sechseinhalb Stunden wäre die volle Ladezeit (am Schnellladesystem mit dreipoliger Drehstrom-Steckdose sogar nur eine halbe Stunde für 80 Prozent Aufladung). Das Solarstromtanken hier ist keine Lösung auf Dauer, aber es macht wegen der positiven Neugier vieler Passanten mächtig Spaß. Ein besonders wissbegieriger Radfahrer ist sich nach einem angeregten Plausch über Fahrleistung, Reichweite und Preis sogar sicher: „Das wird mein nächstes Auto.“
Kurz vor Abfahrt schlendert eine Grundschulklasse vorbei, wir hören Kinderstimmen Sätze sagen wie: „Ein Solarmobil!“, „Schau, der lädt hier seine Batterien auf“ oder den mahnenden Hinweis an einen Mitschüler: „Damit kommt man nicht weit.“ Falsch: Mit leistungsstarken Lithium-Ionen-Batterien sind es 144 km Reichweite laut EU-Norm. Unsere Testfahrt von Trebur in die Frankfurter City und retour bestätigt dies – inklusive ein paar Autobahn-Kilometern am Rande der Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Der „Sound“ des Elektromotors hat nicht das erotische Flair eines V8-Big Block und kann auch nicht im Stile eines hochdrehenden V12 Gänsehaut erzeugen: Bis 90 km/h ist praktisch nichts vom Antrieb zu hören, darüber wird ein Surren hörbar, das ein wenig an Straßenbahnen erinnert – nie aufdringlich oder gar schrill, und unterhalb von 90 km/h gleich wieder komplett verschwunden.
Flotte Beschleunigung, nur der „Sound“ fehlt Die rasante Beschleunigung überrascht: 47 kW (64 PS) und fast soviel Drehmoment wie ein 105-PS-Golf (180 Nm) treiben den Kleinwagen flott durchs Straßengewirr. Auf den ersten Metern nehmen wir’s sogar mit einer Ducati Monster auf, ehe der althergebrachte Verbrennungsmotor im Motorrad dann noch flotter anschiebt, als unser Strom-Aggregat. Im Vergleich zum konventionell betriebenen „i“-Minicar von Mitsubishi ist der i-MiEV im wichtigen Durchzug zwischen 40 und 60 km/h um 31 Prozent schneller, dabei vibrationsärmer und um 5 dB leiser.
Alles im i-MiEV wirkt problemlos und vertraut. Gefährlich nur: Wir sind zu leise. Ohne Motorgeräusch werden wir leicht von Fußgängern oder Radfahrern überhört – oder im toten Winkel überhaupt nicht bemerkt. Beim Herausrollen aus der Fußgängerzone muss der Elektro-Mobilist wie ein Schießhund aufpassen – dies sollte sich als der gewöhnungsbedürftigste Punkt am elektrischen Autofahren herausstellen.
Helmut Bauer von Mitsubishi Deutschland sieht dem Verkaufsstart im Dezember 2010 positiv entgegen: „Die Reichweite wird für fast jeden Autofahrer genügen, ehe er in der Garage am Arbeitsplatz, im Parkhaus oder zu Hause wieder laden kann.“ Bis zum Marktstart wird es den i-MiEV als Linkslenker geben (wir testeten noch die rechtsgesteuerte Japan-Version). Bisher muss der Fahrer an der Kulisse der Automatik den Wählhebel auf „B“ stellen, um das Auto gleichzeitig zu entschleunigen und die Bremsenergie in Strom umzuwandeln, also zu „Rekuperieren.“ Bis zum Serienstart des i-MiEV wird dies automatisch geschehen, die Stellung „B“ fällt dann am Wählheben weg. Das zentrale Display informiert darüber, ob gerade Leistung entnommen oder rekuperiert wird. So bekommt der Fahrer noch schneller ein Gefühl dafür, wie er möglichst energiesparend unterwegs sein kann. Auch nach dem Wegfall der „B“-Stellung am Wählhebel kann sich der Fahrer dann noch für „D“ (volle Leistung) oder „E“=Economy entscheiden (weniger Leistung, maximale Reichweite).
144 km sind je nach Fahrweise durchaus möglich Interessant: Im Gegensatz zu anderen Projekten dieser Art müssen beim i-MiEV die Batterien nicht gekühlt werden. Bauer: „Wir gehen mit den Akkus nicht an die Kapazitätsgrenzen, denn unser Auto ist für die Großserie und für den Alltagseinsatz konzipiert. Deshalb ist keine Kühlung der Batterien notwendig.“ Trotzdem können sich Fahrleistungen und Reichweite durchaus sehen lassen und wurden in unserem Praxistest bestätigt: Je nach Fahrweise sind die angegebenen 144 km mit einer Batterieladung durchaus möglich. Interessant für Elektro-Skeptiker: Nach dem „well-to-wheel“-Ansatz (also Gesamt-Energiebilanz inklusive Stromerzeugung) beträgt der CO2-Ausstoß des i-MiEV 41 g/km, bezogen auf den Fahrbetrieb mit Strom natürlich 0 g/km.
Momentan lauten die Kaufverträge auf 39.900 Euro, bis zur Auslieferung werde der Preis laut Bauer weiter sinken. Experten gehen von 35.000 Euro aus, ähnlich teuer dürften die baugleichen Modelle Peugeot iOn und Citroen C-Zero sein. Worauf sich künftige i-MiEV-Fahrer im Frankfurter Raum einstellen können: Bis Ende des Jahres könnten im Stadtgebiet laut Hans-Georg Dannert vom Umweltforum Rhein-Main bis zu 20 Solar-Tankstellen kostenlos für Elektromobilisten bereitstehen – etwa im Parkhaus Börse. Vorsicht wird dann an der Hauptwache geboten sein: Dort wird man wohl bis dahin Schlange stehen oder gar nicht mehr in die Fußgängerzone fahren dürfen, denn Elektro-Autos werden schon bald keine aufsehenerregenden Exoten mehr sein, sondern ganz normale Mobilität, der viele Zeitgenossen zu Recht mit Hochspannung entgegenfiebern.
Fazit: Das Fahren mit dem i-MiEV macht Spaß Ein Auto wie der kleine Japaner wird nie eine hochemotionale Fahrmaschine für Fanatiker mit hochoktanigem Benzin im Blut sein. Dafür wird es auch künftig andere Fahrzeuge geben, allerdings wird man schon bald von Menschen mit Volt im Blut sprechen. Der i-MiEV versüßt die Mobilität in der Großstadt mit kleinem Wendekreis, ausreichend Platz für vier Personen, parkplatzfreundlichen Außenmaßen und ordentlichen Fahrleistungen. Skepsis kann sich derzeit nur noch auf Fragen der Anschaffungs- und späteren Wartungskosten beziehen (Haltbarkeit der Batterien und Preis für neue), sowie auf die Entwicklung der Infrastruktur mit Ladestationen, an denen man tatsächlichen Öko-Strom zapft.
Bewertung
Plus:
- Praxisreichweite bestätigt Werksangabe von 144 km
- Schnellladen zu 80 Prozent in nur 30 min
- starker Antritt durch hohes Drehmoment
- gute Fahrleistungen
- großstadtfreundlich kurz trotz vier sitzen
- nur 9 m Wendekreis
Minus:
- Frage der Haltbarkeit und Ersatzkosten von Batterien offen
- Infrastruktur für problemloses Aufladen noch ungenügend
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