Lexus GS 450h: Weißer Riese mit weißer Weste
von: Alternative Motion / gg
H wie himmlisch. Das „h“ für Hybrid im Namen des neu überarbeiteten und auf der IAA in Frankfurt gezeigten Lexus der GS Baureihe lässt sich auch mit himmlisch übersetzen. Nicht nur aufgrund der Fahrleistungen, sondern auch wegen der hochwertigen Verarbeitung und des stimmigen Gesamteindrucks. Der kleine Bruder des Flaggschiffs LS steht selbigem in nichts nach. Der perlweiße Lexus zieht die Blicke auf sich, besonders wenn er im absolut lautlosen, rein elektrischen Gleiten an Passanten vorüberschwebt.
„Lexus wird immer nach Vollendung streben…“, so Kiotaka Ise. Wir glauben das dem Managing Officer Lexus gerne, denn mit dem GS 450 h ist Lexus nicht mehr weit davon entfernt.
Die Vollhybrid Limousine mit einem samtigen V6 Frontmotor und zwei Elektromotoren bildet das sportliche Spitzenmodell der GS Baureihe. Ähnlich einem Raumgleiter schwebt die Limousine über die Straße. Enorme Kraft und die sportlichen Fahrleistungen suchen in dieser Fahrzeugklasse einen adretten und vor allem ähnlich sparsamen Gegner, vergebens. Lexus hat es geschafft den Spagat zwischen einem High-Performance Hybridantrieb und einem kultivierten V6 Motor zu ziehen und dabei Dynamik und Fahrspaß eindeutig in den Mittelpunkt zu stellen.
Motor und Getriebe
Als technisches Schmankerl setzt derzeit nur Lexus auf die kombinierte Saugrohr- und Direkteinspritzung D-4S. Mit einer variablen Ventilsteuerung wird die Leistung fristgerecht und stets optimal dosiert an die Hinterräder abgegeben. Sechs Zylinder im 60 Grad-Winkel, zwei obenliegende Nockenwellen pro Zylinderbank und vier Ventile pro Zylinder bilden die konstruktiven Eckdaten des Motors. Soweit so gut.
Sobald der Start-Knopf neben dem Lenkrad betätigt wird, erwacht das Cockpit und das Antriebsaggregat zum Leben. Absolut lautlos, da zunächst lediglich der Elektroantrieb aktiviert ist. Die Systemleistung, das heißt die Kombination aus beiden Antriebsaggregaten beläuft sich in der Summe auf stattliche 345 PS (218kW) und ein Drehmoment-Maximum von 368 Newtonmeter, wobei zwischen 2.000 und 6.000 Umdrehungen pro Minute immer 90 Prozent dieses Wertes zur Verfügung stehen. Das sieht in der Realität so aus: Ein Tritt auf das Gaspedal und der Lexus schiebt unaufhörlich und leise wie von einem Gummiband gezogen nach vorn. Nicht nur der Verzicht auf Anlasser, Lichtmaschine oder Keilriemen, sondern auch die kompakte und leichte Bauweise des Motors spart Raum und Gewicht, reduziert die Leistungsverluste deutlich und ist zudem noch wartungsfreundlicher. Auch ein Grund dafür, warum diese Luxus-Limousine mit sehr guten Verbrauchswerten in Anbetracht der satten Fahrleistungen glänzen kann.
Fahrleistungen und Komfort Die Symbiose aus Benzinmotor, den zwei Elektromotoren und dem Generator verteilt die Leistung optimal über das komplette Drehzahlband mit Hilfe des stufenlosen Getriebes, das die Hybrid-Komponenten variabel miteinander koppelt. So erreicht der Lexus ordentliche Fahrleistungen, den Spurt auf Landstraßentempo erreicht er laut Hersteller in nur 5,9 Sekunden - dieses Ergebnis kann mein rechter Fuß seelenruhig bestätigen. Der enorme Durchzug im Spurt von Tempo 80 auf 120 km/h in nur 4,7 Sekunden vermittelt eine brachiale Beschleunigung und bildet einen unglaublichen Autobahnkomfort mit großem Überholprestige. Auch das Fahrwerk, welches seit 2008 über das integrierte Fahrdynamik-System VDIM verfügt, ist mit dem adaptiven Dämpfungssystem AVS ausgerüstet. So werden lange Bodenwellen seidenweich ausgebügelt, lediglich kurze Stöße sind hin und wieder am Lenkrad spürbar.
Das in der Mittelkonsole einstellbare Programm S für den Sportmodus verändert sowohl das Fahrwerk wie auch den Durchzug spürbar mit einer sportlicheren Kennlinie. Durch das regenerative Bremssystem arbeitet der Elektromotor als Generator und wandelt die kinetische Energie des Fahrzeuges in elektrische Energie um, welche in der Hybridbatterie gespeichert wird. Das System arbeitet vorbildlich und zeichnet sich durch eine hohe Rückgewinnungsquote aus.
Design und Innenraum
Die facegeliftete Version des Lexus GS spricht die Lexus – Designsprache „L-finesse“. Alle Modelle der Baureihe verfügen nun über diverse Chromapplikationen, neu gestaltete Front- und Heckschürzen sowie einige Änderungen an den Beleuchtungseinheiten. Der sportlich elegante Auftritt des GS wird durch die coupehafte Formensprache unterstrichen. Die lange Haube und das kurze, kraftvoll wirkende Heck versprechen unaufdringliche Eleganz. Markante Kontraste und das immer wiederkehrende Wechselspiel von konvexen und konkaven Formen polarisieren innerhalb des „normalen“ automobilen Auftretens auf deutschen Straßen. Der Innenraum des Lexus verdient das Prädikat „Wohnzimmer“, denn hier fühlt man sich heimisch.
Die Anordnung und Ablesbarkeit der Instrumente ist ausgenommen einer kleinen heraus klappbaren Bedieneinheit links neben dem Lenkrad für diverse Einstellungen hervorragend. Das komfortable Ledergestühl des Lexus könnte in schnellen Kurven über etwas mehr Seitenhalt verfügen, dafür bieten sie einen enorm hohen Langstreckenkomfort. Vier Insassen sitzen sehr komfortabel. Die kraftvoll wirkende C-Säule versperrt etwas die Sicht nach hinten, dieses Manko wird durch die optionale Rückfahrkamera aber wieder kompensiert. Der für diese Fahrzeugkategorie zu klein geratene Kofferraum mit etwa 330 l Laderaum geht auf Kosten der Speichermedien hinter der Rücksitzbank. Doch das verzeihen wir dem Lexus gerne, bildet er doch den Vorreiter für eine innovative und vor allem ökologisch vertretbare Fahrzeugkategorie.
Preise und Ausstattung
Wie so oft in einem Test müssen auch die Anschaffungs und Betriebskosten in Betracht gezogen werden.
In Anbetracht des schon in der Basisversion sehr gut ausgestatteten GS sind die 58.650 Euro ein sehr guter Gegenwert. Lexus bietet zudem einen gewissen Grad an Exklusivität, da Modelle des japanischen Herstellers zu den eher raren Autos auf deutschen Straßen zählen. Speziell beim Hybrid-Modell bleibt die Aufpreisliste recht überschaubar. Alle Komfort und Sicherheitsfeatures sind bereits an Bord. Zusätzlich bietet Lexus das „Luxury Line“-Paket, welches ein großes DVD-Navigationssystem und Multimedia-Paket, Heckkamera mit „Park Guide“, Sprachbedienung, verschiedene Holz-Leder-Kombinationen und vieles mehr beinhaltet, für 6.750 Euro an.
Fazit
Der Lexus GS 450 h fasziniert schon im Stand. Die imposante und doch elegante Erscheinung verdient in Kombination mit den technischen Lösungen auf höchstem Niveau ein großes Lob. Um die Gesamteindrücke dieses Fahrzeuges zu beschreiben bedarf es einem eigenen Erlebnis, nennenswerten Mängel wird man im Lexus nicht finden. Der enorm antrittsstarke Motor, das harmonisch arbeitende Getriebe und die ausgefeilte Vollhybrid-Technik bilden den derzeitigen Klassenprimus im Thema Verbrauch und Emissionen. Der von uns gemessene Testverbrauch lag je nach Fahrsituation zwischen 9 und 11 Litern. Die eigentliche Stärke des Vollhybrid-Systems kommt vor allem im stetigen Stopp- and Go-Verkehr der Innenstadt zum Tragen. Dort lassen sich tatsächlich Verbräuche um die acht bis neun Liter erzielen.
Der neu überarbeitete Lexus GS 450 h ist nicht nur was für versierte Technikfreaks, sondern für jedermann auf Anhieb bedien- und fahrbar. Mit dem Hintergedanken, eines der derzeit fortschrittlichsten und leisesten Fahrzeuge dieser Klasse bewegen zu dürfen, setze ich mich in den Wagen, starte die Antriebseinheit mittels Startknopf und schwebe leise und sanft wieder in meinen Traum. Und da ist es wieder, das „h“ wie himmlisch. Lexus halleluja.
Positiv:
- antrittsstarker, leiser Motor
- fortschrittliche Voll-Hybridtechnologie
- akzeptabler Verbrauch
- überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis
Negativ: - eingeschränktes Kofferraumvolumen
- Sitze bieten mäßigen Seitenhalt dennoch sehr guten Langstreckenkomfort
- Materialmix im Innenraum verbesserungswürdig
- eingeschränktes Kofferraumvolumen
Lexus, Hybrid, alternative Antriebe