VW Golf BiFuel: Gut, besser, Golf
von: Alternative Motion / jh
Mit was soll ich anfangen? Mit dem wirklich außergewöhnlich hochwertigen Eindruck, den die Materialien und die Verarbeitungsqualität im neuen VW Golf BiFuel hinterlassen? Dem so oft kritisierten, und doch laufruhigen und kraftvollen 1,6 Liter Vierzylinder? Dem perfekt abgestimmten Fahrwerk, das sportliches Fahren genauso zulässt wie komfortables Gleiten auf der Autobahn? Den Platzverhältnissen und durchdachten Ablagen, die mich keine Sekunde irgendetwas vermisst haben lassen?
Eigentlich ist es doch ganz egal. Es ist schließlich das Gesamtpaket, dass den VW Golf BiFuel ausmacht. Und das grenzt an Perfektion.
Design Von außen ist der Golf dabei das geblieben, was er eben schon immer war – ein Golf. Die Ähnlichkeit im Vergleich zu seinem Vorgänger ist nicht übersehbar, der neue Golf wirkt dennoch sportlicher.
Die Scheinwerfer sind markanter geworden, der Kühlergrill erinnert wieder mehr an den Golf der vierten Generation. Die Rückleuchten präsentieren sich selbstbewusst und groß – gerade nachts lassen sie das Heck bullig wirken.
Der Innenraum ist das wahre Highlight des neuen Golf der sechsten Generation. Die Armaturen geben einem keine Rätsel auf, alles ist intuitiv bedienbar. Von den Lüftungseinlässen bis zu den Cupholdern, der Mittelarmlehne, dem Lenkrad und dem Schaltknüppel – alles fühlt sich gut an, ist weich, hochwertig und passt sich perfekt ein.
Motor und Getriebe Auch das Fahrverhalten des Golf BiFuel entspricht dem ersten Eindruck. Das Lenkrad lässt sich nicht nur gut anfassen, es reagiert auch perfekt auf alle Befehle. Ruhig und gelassen lässt sich der neue Golf um Kurven zirkeln, liefert dabei genug Rückmeldung ohne unnötig anstrengend zu sein. Eine perfekte Symbiose mit der Schaltung: Die Gänge lassen sich im VW wie auf Schienen wechseln, der Knüppel hakt nicht einmal.
Nur einen sechsten Gang lässt er vermissen. Auf der Autobahn wird der VW Golf BiFuel mit dem 1,6 Liter Aggregat ab 120 Kilometer pro Stunde etwas brummig, ab 150 auf dem Tacho wird das Ganze lästig. Der Motor läuft auf Dauer weit über 4.000 Umdrehungen pro Minute – das tut auch dem Verbrauch nicht gut. Schade, zumal sich die Geräuschdämmung im VW sonst von ihrer besten Seite präsentiert und den Golf BiFuel in der Stadt und auf dem Land sanft und leise gleiten lässt.
Und das bei durch und durch akzeptablen Fahrleistungen. In 11,9 Sekunden beschleunigt der VW Golf BiFuel von Null auf 100 Kilometer pro Stunde. Wie sich unserem Test herausstellt, ein völlig ausreichender Wert. Der 1,6 Liter Motor mit 98 PS im Autogasbetrieb und 102 auf normalem Kraftstoff wird gerne als träge und schlapp bezeichnet – diesen Eindruck kann ich nicht bestätigen.
Komfort Im Gegenteil, dank des überraschend kräftigen Sounds und dem auch auf der Autobahn entspannten Beschleunigen musste ich sogar das ein oder andere Mal schmunzeln. Wer hätte das gedacht? Ein umweltfreundlicher Vierzylinder, der auf Autogasbetrieb ausgelegt ist, brummt zwar dezent, aber kernig vor sich hin.
Da macht das Fahrwerk gleich doppelt Spaß. Auf der Autobahn und auf gediegenen Landstraßenfahrten könnte der Golf nicht ausgeglichener und komfortabler sein. Querfugen, kleine Schlaglöcher und ganze Flickenteppiche sind für den VW keinen Grund, die Insassen in ihren Sitzen hüpfen zu lassen.
Will der Fahrer es aber wissen, dann lenkt der Golf erstaunlich spontan in enge Kurven ein, zieht das Heck nicht unwillig nach, sondern zeigt sich dynamisch und wendig.
Platzverhältnisse Auch im Innenraum stimmt alles. Fahrer und Beifahrer fühlen sich auf Anhieb wie im Wohnzimmer. Ablagen gibt es im neuen Golf reichlich. Bis zu 1,5 Liter Flaschen passen in die seitlichen Türeinfassungen, die daneben noch Geldbeutel und allerlei Kleinkram schlucken. Die Sonnenbrille kommt in das im Dachhimmel integrierte Fach, das Handy in die Mittelarmlehne und die kleine Cola in einen der beiden mittleren Cupholder.
Wer mehr Dinge zu verstauen hat, als im Golf Fächer sind, der muss ein Messie sein und sollte dringend ärztliche Hilfe aufsuchen. Für alle anderen dürften selbst die Fondplätze ausreichen.
Der Platz ist einladend, die Sitze bequem, die duale Klimaautomatik voll funktionstüchtig. Auch der Kofferraum ist durch die Autogasumrüstung nicht kleiner geworden. Der 41 Liter fassende Tank ist in der Reserveradmulde untergebracht, somit stehen die vollen 350 Liter Stauvolumen auch im Golf BiFuel zur Verfügung.
Einziges Manko an der Autogasumrüstung ist, dass der Bordcomputer im Betrieb mit dem günstigeren Kraftstoff die Reichweite und den Verbrauch nicht anpasst. Die Anzeige für den Tank in der Reserveradmulde findet man im VW Golf BiFuel direkt vor dem Schaltknüppel – ein paar grüne LED-Leuchten visualisieren den aktuellen Stand.
Fazit Für ganze 450 Kilometer reicht das Autogas in unserem Test. Das entspricht einem Verbrauch von cirka neun Litern Kraftstoff. Die Kosten belaufen sich bei einem realistischen Preis von 0,58 Euro pro Liter Autogas auf 5,22 Euro pro 100 Kilometer – so günstig ist man nicht einmal mit einem verbrauchsarmen Diesel unterwegs.
Wer jetzt noch auf die Anschaffungskosten schaut, der wird schnell feststellen, dass Golf BiFuel und Golf 1.9 TDI mit 105 PS hier nahezu gleich aufliegen. Mit 26.000 Euro ist der Turbodiesel im Golf nur gerade mal 25 Euro günstiger als die Autogas-Alternative. Für Vielfahrer, die bisher immer auf das Dieselaggregat zurückgegriffen haben, ist der neue VW Golf BiFuel also eine echte Alternative.
- geringe Kraftstoffkosten
- hochwertiger Qualitätseindruck
- ausgewogenes Fahrwerk
- bequeme Sitze
Negativ:
- kein Sechsgang-Schaltgetriebe verfügbar
- Bordcomputer nur im Benzinbetrieb korrekt