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Elektroautos: Mehr Fahrspaß denn je und ein paar offene Fragen

Fahren mit Strom statt Sprit, Laden an der Steckdose statt Tanken an der Zapfsäule, Akkus statt Benzinvorrat, elektrisches Surren statt fossiler Krawall. Vieles ist von Grund auf neu an der Elektromobilität. Nur kW statt PS kennen wir schon seit vielen Jahren, obwohl die meisten nach wie vor in Pferdestärken statt Kilowatt denken. Aber was bringt die Elektromobilität außer Nullemission vor Ort? Wir haben einen Querschnitt aktueller und künftiger Elektroautos getestet.





Wichtigstes Fazit: Fahrspaß wird es nicht nur weiterhin geben, sondern sogar mehr denn je. Und die derzeit noch offenen Fragen etwa rund um Herkunft des Stroms sind hoffentlich bald geklärt.



Wie sieht die Zukunft des Autofahrens aus? Unter anderem elektrisch, wenn es nach dem derzeitigen Stand der Technik sowie nach dem der nahen Zukunft geht. Einige Modelle sind bereits käuflich, einige kommen bald, in den nächsten Jahren kommt die Stromwelle dann so richtig ins Rollen. Das Wichtigste: Der Fahrspaß wird mit Elektromobilen nicht verloren gehen, wie unsere Testfahrten unter anderem mit Mini E, Tesla Roadster Sport 2.5 oder Mitsubishi i-MiEV gezeigt haben. Allerdings bleiben vorerst einige Fragen offen: Wo kommt der Strom künftig her, wie umweltfreundlich und erschwinglich lassen sich Akkus produzieren, wie schnell bekommt man Ladezeiten und Reichweiten praxisgerecht in den Griff? Viele Ideen zerplatzen wie Seifenblasen fast in jenem Moment, da man sie wahrgenommen hat. Andere wiederum zeigen, wie die Menschheit und ihr Erfindergeist abermals an den Aufgaben wächst, die sich momentan stellen.



Freundliche Passanten dulden E-Mobile auf dem Gehweg
Altstadtring München, 10:30 Uhr vormittags. Wenn hier ein Auto auf den Gehweg fährt, erntet der Fahrer meist böse Blicke. Nicht so beim Mini E: Lautlos steuern wir den strombetriebenen City-Flitzer über die Fußgängertrasse auf die Ladestation der Stadtwerke München in der Blumenstraße 19. Hier laden wir die Akkus des Mini E mit Ökostrom auf, und fast jeder Passant schaut neugierig auf Mini, Ladekabel und Stromsäule oder stellt gar neugierige Fragen: „Wie lange dauert’s denn?“ oder „Wie fährt sich der Mini mit Strom?“. Die Antworten klingen vielversprechend: 150 kW (also satte 204 PS) treiben den kleinen Volt-Vernichter zügig voran, die Akkus sind an der normalen Steckdose in gut 13 Stunden wieder voll, an speziellen Starkstrom-Quellen in dreieinhalb Stunden, Spitze 154 km/h, je nach Fahrweise 150 bis 200 km Reichweite.

Aber vor allem: Die volle Kraft des Motors liegt aus dem Stand heraus sofort an. Diese Besonderheit von Elektromobilen verleiht dem noch dazu lautlos dahinrasenden Elektro-Mini einen Aha-Effekt, wie ihn sonst höchstens Exoten von Ferrari oder Bugatti erzielen. Ohne wahrnehmbares Fahrgeräusch zischt der Stromzwerg mit der Kraft von 220 Nm davon, erreicht die 100 km/h-Marke nach achteinhalb Sekunden, also im Stile eines Golf GTI. Zu kaufen wird es den Mini E so nicht geben. Konzernmutter BMW wird allerdings die Erkenntnisse aus Feldversuchen mit dem Strom-Kleinwagen nutzen, um etwa 2013 ein ähnliches, emissionsfreies City-Mobil auf den Markt zu bringen.

Fast ebenso spannend wie der Vortrieb ist auch die Bremswirkung von Elektroautos: Ohne aufs mittlere Pedal zu treten kommt man mit dem Mini E in rund acht Sekunden aus 50 km/h in den Stillstand. Dabei lädt der E-Motor als Generator wieder die Akkus auf, und zwar mit zehnfacher Leistung im Vergleich zum Ladevorgang. Der „Sound“ des Mini klingt dabei wie eine Flüster-Straßenbahn beim Anrollen zur Haltestelle.



Mit Strom-Power die Beschleunigung eines Porsche 911 Turbo
Noch mehr als der Mini E zieht der Tesla Roadster Sport 2.5 staunende Blicke auf sich: In 3,7 s von null auf hundert, das ist Porsche 911 Turbo-Niveau. Gleich neben der Ladestation in der Münchner Blumenstraße gibt’s die Teslas bereits zu kaufen. Preis: 118.000 Euro. Dafür ermöglichen 6.831 Lithium-Ionen-Akkus deutlich über 300 km Reichweite. Und nach 160.000 km kriegt man für 11.000 Euro neue Akkus. Das nimmt dem Projekt Elektroauto jede Angst vor unbezahlbaren Kosten für irgendwann fälligen Batterie-Ersatz. Das Potenzial des flotten Elektro-Roadsters führt laut Sarah Zimmermann von Tesla München dazu, dass sich immer mehr Porsche- und Maserati-Fahrer den Elektro-Racer als fahr-spaßiges Drittauto anschaffen.

Mehr für die breite Masse wird sich ab Dezember der Mitsubishi i-MiEV eignen. Für etwa 35.000 Euro bietet der wendige Viersitzer 64 PS, 144 km Reichweite und mit 180 Nm das Drehmoment eines 105-PS-Golf. Ladezeit: An der Schnellladestation eine halbe Stunde für 80 Prozent der vollen Kapazität. Er wird zusammen mit Modellbrüdern von Peugeot und Citroen das erste Elektroauto in Großserienfertigung sein. 2011 stehen Opel Ampera, drei Modelle von Renault und der Nissan Leaf in den Startlöchern, 2012 soll dann unter anderem der Smart Fortwo ED folgen.



Typisch:

Der Weg zur nächsten Ladestation – noch ein geduldeter Einzelfall
Während unserer Testfahrten mit dem i-MiEV erfuhren wir deutlich, dass die Elektromobilität noch in den Kinderschuhen steckt. Zum Beispiel ist es bislang kein Problem, mit einem Elektroauto die Fußgängerzone von Frankfurt zu befahren. Der Hinweis an zwei freundliche Wachtmeister genügt: „Wir müssen schließlich zum Laden.“ Da die Solartankstelle von der Straße aus nicht erreichbar ist, quittieren die Wachtmeister vorerst das Befahren der an sich Auto-losen Verkehrsfläche noch mit der freundlichen Bestätigung: „Ach ja, Ihr müsst ja Laden.“ Schon bald werden problemlos anfahrbare Ladestationen bitter nötig sein, um dem steigenden Bedarf an Lademöglichkeiten gerecht zu werden.

Fahrspaß bieten i-MiEV und Co. bereits mehr als genug. Geladen wird künftig meist zu Hause, wenn es nach den ersten Erkenntnissen von Praxisstudien geht. Einen stets brandaktuelle Überblick über öffentliche Lademöglichkeiten etwa auf Park-and-Ride-Plätzen und in Parkhäusern, Kostenvergleiche zu fossilen Antrieben oder einen Marktplatz für Anbieter von verschiedenen Elektromobilen bietet alternative-motion.de in unterschiedlichen Rubriken und wir werden diesen Service verstärkt für Sie ausbauen.



Fazit: In den nächsten Jahren steigt die Spannung
Wenn die nötige Spannung für Elektro-Autos auch noch umweltfreundlich erzeugt wird (wie es bislang vor allem in Einzelfällen wie bei Carports mit Photovoltaik-Anlagen der Fall ist) und aktuelle Probleme bei der Akku-Fertigung erst einmal gelöst sind, steht einer sauberen E-Mobilität mit mehr Fahrspaß denn je nichts mehr im Wege.

ralf schütze / rs



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