Fiat Panda Panda: Luxuslimousinen-SUV auf dem Öko-Trip
Auf den ersten Blick weiß ich nicht, was ich vom Fiat Panda Panda mit seinem bivalenten Antrieb halten soll. Ein Kleinwagen, angetrieben von einem 1,2 Liter kleinen Vierzylinder und einer Leistung von 60 PS, das ist nicht außergewöhnlich. Verbrennt dieser kleine Motor neben normalem Benzinkraftstoff aber auch noch Erdgas, dann wird die Sache doch spezieller. Und das sind noch lange nicht alle Umbaumaßnahmen am Fiat Panda Panda.
Erdgas-Technik
Um die Platzverhältnisse im Innenraum und insbesondere das Kofferraumvolumen nicht zu beschneiden, wurde der Gastank eigens in den Unterboden verlegt – und die Karosse dafür eben mal höher gelegt.Ganz schön viel Aufwand für den kleinen Erdgas-Renner. Ob sich das wirklich lohnt? Ich bin skeptisch. Naja, zumindest war ich es. Bis zum ersten Tankstopp.
Nach 260 Kilometern auf der Autobahn sind die zwölf Kilogramm Erdgas fast gänzlich verbraucht. Mit dem noch randvollen Benzintank geht es jetzt sicher noch einige hundert Kilometer vorwärts, aber wenn man schon ein Erdgasauto hat, dann nutzt man das auch. Also runter von der Autobahn und auf zur nächsten Erdgastankstelle. Und hier wartet schon die erste Herausforderung.
Wie tankt man bitteschön Erdgas? Ohne groß zu überlegen gehe ich einfach mal zum Tankdeckel und werde sofort fündig: Neben der normalen Tanköffnung für Benzin ist ein kleines Käppchen auf einem Gewinde befestigt. Käppchen also runterschrauben, Erdgas-Tankstutzen draufsetzen und laufen lassen – eigentlich genau wie bei Benzin. Nur einen Start- und einen Stopp-Knopf gibt es an normalen Tanksäulen nicht. Und vor Spannung fesselndes Zischeln auch eher selten.
Ein völlig neues Gefühl – Tanken ist eine Attraktion, Spannung pur, Nervenkitzel vom feinsten. Ich weiß nicht, wann ich mich jemals so auf den nächsten Tankstopp gefreut habe. Oder besser: Ich weiß es ganz genau – noch nie. Verkehrte Welt im Fiat Panda Panda. Und das auch beim Preis: Volltanken für 10,46 Euro. Langsam zweifle ich an meinem Verstand und halte erst einmal ein paar Minuten inne. Mit diesem breiten Grinsen im Gesicht kann ich unmöglich bezahlen.
Komfort / Verarbeitungsqualität
Aber nicht allein das kurzweilige und günstige Tanken kann mich vom Fiat Panda Panda überzeugen. Und das muss es auch nicht. Gerade auf der Autobahn macht sich beim Panda Panda nämlich sofort sein für die Kleinwagenklasse großer Reisekomfort bemerkbar. Fast wie in einer Luxuslimousine schwebt man über dem Asphalt.Die Federung des kleinen Italieners ist alles andere als sportlich, dafür aber sehr komfortabel. Das leichte Mitschwingen auf den Unebenheiten der Straßen vermittelt den Eindruck als gleite der Fiat wie eine leichte Feder. Zuerst fühlt sich das seltsam an, dann wohltuend harmonisch. Dazu passend: Die Geräuschkulisse.
Vom kleinen 1,2 Liter Vierzylinder klingt kaum etwas in den Innenraum. Fast möchte man den Panda Panda vor der Ampel noch einmal starten, so leise säuselt der Motor vor sich hin. Ungewöhnlich für einen so hubraumschwachen Motor in einem Kleinwagen.
Ein klassisches Komfort-Feature von Fiat macht den Eindruck einer Mini-Luxuslimousine perfekt: Die City-Lenkung. Kaum ist der Knopf auf der Mittelkonsole gedrückt, lässt sich der Panda Panda mit dem kleinen Finger in Parklücken rangieren. Unverständlich, warum sich das der ein oder andere Automobilhersteller nicht schon längst abgeschaut hat.
Immerhin hat Fiat auch dazu gelernt: Der Eindruck der verarbeiteten Materialien im Innenraum und insbesondere die Verarbeitungsqualität machen einen hervorragenden Eindruck. Nichts sitzt schief, nichts klappert und nichts wackelt. Wer sich aufgrund veralteter Vorurteile keinen Fiat kauft, der ist selbst Schuld. Die Plastik-Armaturen in einem anderen Auto der Kleinwagenklasse fühlen sich nicht besser an.
Verbrauch
Das einzige, was im Fiat Panda Panda wohl gegen den Eindruck einer kleinen Luxuslimousine spricht, ist der Verbrauch. Während die üblichen Dickschiffe der Autobahn gerne 15 Liter und mehr auf 100 Kilometern verbrennen, gibt sich der Fiat Panda Panda im Schnitt mit 4,6 Kilogramm Erdgas auf 100 Kilometern zufrieden – und das bei längeren Höchstgeschwindigkeitsphasen. Fährt man im Benzinbetrieb, so reichen dem bivalenten 1,2 Liter Motor sieben Liter Kraftstoff in unserem Test.Den Fiat Panda Panda nur als kleine Luxuslimousine zu bezeichnen wäre aber zu einfach. Der nächste Vergleich drängt sich schon beim ersten Einsteigen auf: Der Fiat Panda Panda, das ist ein kleiner, trendiger SUV.
Möglich macht diesen Eindruck vor allem die erhöhte Sitzposition. Im Gegensatz zu seinen reinen Benzinbrüdern ist der Fiat Panda Panda auf der Plattform des Panda 4x4 aufgebaut und somit um ein paar Zentimeter höher gelegt. Der Grund ist simpel: Um die Platzverhältnisse im Innenraum und Kofferraum nicht einzuschränken, setzt Fiat die beiden Gastanks in den Unterboden des Panda – und hier brauchen sie Platz.
Motor / Fahrleistungen
Ein souveränes Fahrgefühl ist die Folge. Auf die eigentliche Kleinwagen-Konkurrenz schaut man im Fiat Panda Panda herab. Einzig das Sport in der Abkürzung SUV findet beim Panda Panda keine Berücksichtigung. Mit 60 PS im Benzinbetrieb und noch einmal acht Pferdestärken weniger im Erdgasmodus dauert die Beschleunigung von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde satte 19 Sekunden. Mit Benzin als Brennstoff sind es auf 100 km/h zwar zwei Sekunden weniger, auf Ampelrennen sollte man sich dennoch nicht einlassen.Der Leistung entsprechend ist mit Vortrieb dann auch relativ schnell Schluss. 148 Kilometer pro Stunde rennt der Fiat Panda Panda im Benzinbetrieb maximal, auf Erdgas sind es wiederum acht km/h weniger. Auf 140 Sachen braucht der kleine Panda Panda dafür keine Ewigkeit, und sind sie erstmal erreicht, lassen sie sich auch leicht halten. Hier macht der Fiat wieder von seiner angenehmen Geräuschkulisse Gebrauch. Der Wagen fühlt sich nicht an, als würde er dem kleinen Motor das letzte abverlangen - gediegenes Reisen ist problemlos möglich.
Kosten
Bleibt nur noch eine Frage: Wie viel kostet der kleine, komfortable, ökonomische und vor allem ökologische Spaß? Im Falle des Panda Panda sind das laut Fiat 13.570 Euro – das sind 2.800 Euro mehr als der vergleichbare Fiat Panda 1.2 8V mit 60 PS starkem Benzinmotor kosten würde. Ein satter Aufpreis also, für den man viele Kilometer zurücklegen muss, um ihn zu amortisieren.Die Frage, ob sich die Entscheidung für den Panda Panda mit Erdgasantrieb also wirklich lohnt, stellt sich mir dennoch nicht. Bis mindestens 2018 bleibt Erdgas steuerlich vergünstigt und die Umwelt dankt einem den Kauf des Natural Power Modells bei einem CO2-Ausstoß von nur 114 Gramm pro Kilometer sowieso schon ab der ersten Fahrt.
Positiv:
- geringer Verbrauch
- komfortable Federung
- sehr gute Material- und Verarbeitungsqualität
- trotz Erdgastanks uneingeschränkte Platzverhältnisse
Negativ:
- hoher Aufpreis zum reinen Benzinmodell
- leistungsschwacher Motor
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